"Ich finde, dass die Frauen mehr füreinander tun müssen"

1. Juli 2000, 10:24

Brigitte Handlos, Chefin des Chronik-Ressorts beim ORF Hörfunk, ist neue Präsidentin des "Frauennetzwerkes Medien".

Brigitte Handlos, Chefin des Chronik-Ressorts beim ORF Hörfunk, ist neue Präsidentin des "Frauennetzwerkes Medien". Sie löst Susanne Scholl ab, die als TV-Auslandskorrespondentin nach Moskau zurückgekehrt ist und diese ehrenamtliche Funktion nicht mehr ausüben kann. Was die sportlich-dynamische 42-Jährige für Medienfrauen künftig so alles bewegen will, sagt sie im Gespräch mit Lydia Ninz.

DieStandard.at: Wie geht's Dir?

Handlos: Ich finde das ganz toll. Ich wollte das auch unbedingt machen und freu' mich irrsinnig, dass mich die Frauen gewählt haben. Ich bin auch stolz, der Schuschi Scholl nachzufolgen, die so eine gescheite, wendige und draufgängische Frau und Alleinerzieherin von Zwillingen ist. Dieses Netzwerk ist mir ein persönliches Anliegen. Ich finde, dass die Frauen mehr füreinander tun müssen

DieStandard.at: Wie groß ist eigentlich unser Netzwerk, das vor einem Jahr auf Initiative von Astrid Zimmermann und Monika Anzelini gegründet wurde?

Handlos: Zur Zeit gibt es 180 Frauen als ordentliche Mitglieder. Lauter Frauen, die in den Medien tätig sind, als Fotografinnen, Öffentlichkeitsarbeiterin oder Journalistinnen. Es sind alle Mediensparten vertreten, vom Web-TV bis zu den Fachzeitschriften.

Nicht vereinnahmen lassen

DieStandard.at: Können auch jetzt noch Frauen dazukommen?

Handlos: Wir sind zugänglich für alle Frauen, die zusammenrücken wollen. Der Vorstand beschließt, ob diese Frau zu unseren Zielen paßt. Was wir nicht haben wollen, sind Politikerinnen. Zum Beispiel kann die VP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat zwar an unseren Vorträgen teilnehmen, aber Mitglied sein darf sie nicht. Wir wollen uns nicht politisch vereinnahmen lassen.

DieStandard.at: Wo meldet sich frau an?

Handlos: Bei unserer Homepage, www.frauennetzwerk.at. Gerade auch junge Frauen sind uns willkommen, auch wenn sie noch studieren oder als Volontärinnen bzw. Aspirantinen arbeiten. Sie zahlen nur die Hälfte des Mitgliedsbeitrages, also 500 statt 1.000 S. Gerade für sie sind wir eine wichtige Anlaufstelle, etwa mit unserer Jobbörse, die auch unter dieser Internetadresse zu finden ist. Je breiter unser Netzwerk wird, desto besser

Frauen zu Wort kommen lassen

DieStandard.at:Was hat das Netzwerk in seinem ersten Jahr gebracht?

Handlos: Erstens hat es sich zur Anlaufstelle für Medienfrauen entwickelt. Zweitens haben wir zwei Mitglieder auf große Tour ins Ausland vermitteln können, nach Brasilien und Los Angeles. Es ist uns drittens auch immer wieder gelungen, heimischen Medienfrauen an deutsche Medien zu vermitteln, die bestimmte Beiträge und Berichte aus Österreich haben wollten.

DieStandard.at: Was sind Deine wichtigsten Ziele für das Netzwerk?

Handlos: Mein oberstes Ziel ist, dass sich Frauen besser als bisher vernetzen, intensiveren und zielgerichteten Kontakt miteinander pflegen. Auch andere Frauen sollen über uns eine öffentliche Plattform kriegen. Wir, die wir in den Medien arbeiten, sollen Frauen zu Wort kommen lassen. Das ist total interessant und spannend, dafür lohnt es sich, zu arbeiten. Für uns selbst ist das Netzwerk auch eine Plattform, wo wir Leidensdruck und Jobfrust ablassen können, ohne dass uns wer gleich einen Strick draus dreht.

Eine Datenbank von Expertinnen

DieStandard.at: Welche konkreten Projekte gibt es?

Handlos:Als grösstes Zukunftsprojekt möchten wir eine Datenbank installieren, mit Frauen außerhalb des Netzwerkes. Wir wollen sie nach Gebieten ordnen, die für unsere Medienarbeit wichtig sind und einen Pool an Psychologinnen, Motivforscherinnen, Juristinnen, Finanzfachfrauen aufbauen. Darauf können die Mitglieder des Netzwerkes zurückgreifen. Umgekehrt können sich die Expertinnen darauf verlassen, dass wir sie nicht in die Pfanne hauen. Ausserdem gibt es sechsmal im Jahr einen Jour-Fix, der nächste findet am 14. September statt, wo Christine Bauer-Jelinek ihr neues Buch präsentieren wird. Und wir werden weiterhin Weiterbildungsseminare anbieten.

Effizienteres Zeitmanagement

DieStandard.at: Was wirst du anders machen?

Handlos:Man muss eine straffere Organisation in den Laden bringen. Ich werde eine klare Linie und klare Ziele formulieren und klare Angebote machen. Wir haben viele arrivierte Journalistinnen unter uns, weil sie so ein Netzwerk für wichtig finden. Es ist klar, dass sie in ihren Positionen nicht uneingeschränkt Zeit haben. Das ist akzeptiert. Daher ist das Zeitmanagement effizienter zu gestalten.

DieStandard.at: Beschreibst du uns kurz deine Karriere?

Handlos: Bin journalistisch eine Spätstarterin. Ich habe Deutsch und Englisch studiert und zehn Jahre im Gymnasium in der Maroltingergasse im 16. Wiener Gemeindebezirk unterrichtet. 1990 habe ich ein Voluntariat beim STANDARD gemacht. Zwei Jahre habe ich neben meinem Job auch als freie Mitarbeiterin im dort gearbeitet. 1992 bin ich ins ORF Landesstudie Wien, habe viereinhalb Jahre bimedial garbeitet, für Hörfunk und Fersehen. Mit der Ö3-Reform kam ich 1997 in die Nachrichtenredaktion und vor einem Jahr in die Innenpolitik im ORF-Hörfunk. Seit Februar 2000 leite ich das Chronik-Ressort.

Das Internet ist die Zukunft

DieStandard.at: Print, Radio, TV, ist das die Zukunft für uns JournalistInnen? Handlos: Die Zukunft ist das Internet. Es ist aber sicher hilfreich, Meldungen schreiben zu können, es ist fein, etwas vom TV zu verstehen und es ist super, auch noch die richtigen O-Töne herausfischen zu können.

Kraftquellen: Sport und Beziehung

DieStandard.at:Wie würdest Du dich persönlich beschreiben?

Handlos: (lacht) Ich bin ein Energiebündel, wenn es um Dinge geht, die mich interessieren. Ich bin sportlich, laufe jeden Tag der früh um den Ring, geh' gern Bergsteigen und Tauchen und lese sehr viel. Ich habe selber keine Kinder, lebe aber gelegentlich mit zwei Kindern im Haushalt, weil ich mit einem Mann verheiratet bin, der aus seiner ersten Ehe zwei Kinder hat. Bin sehr glücklich mit dem Journalisten Helmut Spudich verheiratet. Diese Beziehung gibt mir sehr viel Kraft.

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