Tiscali verkauft Deutschland-Geschäft bis April 2007

20. Oktober 2006, 10:18
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Bis 2008 Rückkehr in die Gewinnzone geplant

Mit einem Rückzug aus Deutschland und einer stärkeren Konzentration auf den italienischen Heimatmarkt will der Internetanbieter Tiscali bis 2008 in die Gewinnzone zurückkehren. Der deutsche Unternehmensteil werde bis April kommenden Jahres verkauft, sagte Konzernchef Tommaso Pompei am Mittwoch bei der Vorstellung seines Geschäftsplans für die kommenden Jahre.

Drei Anbieter

Der Konzern wolle sich auf Märkte beschränken, in denen er zu den drei führenden Anbietern aufsteigen könne. Das sei neben Italien auch Großbritannien. In diesen Ländern erzielt Tiscali mehr als zwei Drittel seiner Erlöse. Den Konzernumsatz will Pompei bis zum Jahr 2010 auf 1,45 Mrd. Euro verdoppeln.

In Deutschland hatte Tiscali Ende vergangenen Jahres 215.000 Breitbandkunden und damit einen Marktanteil von zwei Prozent. Mit einem Umsatz von 89 Mio. Euro trug das Geschäft zwölf Prozent zu den Gesamterlösen bei. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) belief sich auf vier Mio. Euro.

Bieter für das Deutschlandgeschäft nannte Pompei nicht. Aus mit der Situation vertrauten Kreisen hieß es, es handle sich um Firmen aus der Branche und nicht um Finanzinvestoren. Die Gespräche seien fortgeschritten.

Interesse

Die deutschen Anbieter United Internet und Freenet.de, die als mögliche Interessenten an der deutschen Tiscali-Sparte gelten, lehnten Stellungnahmen ab. Auch die Bank UBS, die nach Informationen aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen mit dem Verkauf betraut ist, wollte keinen Kommentar abgeben.

Erst unlängst hatte Telecom Italia das deutsche Geschäft mit AOL-Internetzugängen gekauft. Dem italienischen Telekommunikationskonzern wurde an den Märkten auch Interesse an der deutschen Tiscali-Tochter nachgesagt.

Tiscali hatte im September bereits sein Geschäft in den Niederlanden an den Platzhirsch KPN verkauft und will sich zudem aus Tschechien zurückziehen. Mit den Erlösen aus den Anteilsverkäufen will Tiscali den Ausbau der Medien- und Telekommunikationsdienste in den Kernmärkten finanzieren und den Schuldenberg von zuletzt 334 Millionen Euro abbauen. Geplant ist Pompei zufolge eine Reduzierung der Verbindlichkeiten um mehr als 150 Millionen Euro in den kommenden zwölf Monaten.

Bis 2010 peilt Pompei einen jährlichen Umsatzanstieg von 20 Prozent an. Von 2008 bis 2010 sollen zudem mehr als 400 Mio. Euro an Barmitteln generiert werden.

Bis Ende des Jahres wolle Tiscali entscheiden, ob man eine Allianz mit einem Mobilfunkunternehmen eingehen werde. Erst vor kurzem hatte das Unternehmen den Zusammenschluss seiner britischen Sparte mit Video Networks International bekannt gegeben, um seinen Kunden mehr Inhalte anbieten zu können.

Tiscali-Aktien reagierten am Mittwoch mit Kursverlusten von mehr als zwei Prozent auf die Präsentation der neuen Pläne.(APA/Reuters)

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