Die Jagd nach dem H-Phantom

12. Oktober 2006, 19:50
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Paris Hilton der Beweis, dass im Ego-Marketing nie das "Was", sondern nur das "Dass" zählt

Man muss Paris Hilton nicht mögen, um sie zu lieben. Irgendwie halt. Schließlich ist der Umstand, dass die Dame ein VIP ist, nicht nur der Beweis, dass im Ego-Marketing nie das "Was", sondern nur das "Dass" zählt. Außerdem erklärt das Phänomen Hilton trefflich, wie Medienhysterie funktioniert. Sogar ohne sie. Am Dienstagabend etwa. Da war Paris Hilton nämlich nicht in Wien - trotzdem hechelte die VIP-Presse ihr nach.

Fotografen in Stellung

Zur Vorgeschichte: Die Sun hatte behauptet, Hilton werde Andy Roddick zur BA-CA-Trophy nach Wien begleiten. Doch Dienstag erklärte Trophy-Manager Peter Feigl im Standard, dass Roddick selbst bei seiner Ankunft in Wien (am Montag) nichts davon gewusst habe. Gleichzeitig (am Dienstag) kündigte Österreich Roddicks Ankunft für Dienstagabend an. Vermutlich mit Hilton "im Schlepptau". Daraufhin kursierte, das Paar werde Dienstagnacht bei der "Player's Night" in der Babenbergerpassage erwartet. Vor dem Hotel Le Meridien (Roddicks Schlafplatz) gingen Fotografen in Stellung. "Eine Tageszeitung hat mich hinbestellt: Es sei bestätigt, dass Hilton hier ist", erklärte Szene-Paparazzo Andreas Tischler.

Zwischentöne deuten

Gleich darauf brach im Hotel Imperial (bei einem anderen Promi-Event) Hektik aus: Hilton sei durchs Foyer gegangen. Ein Kameramann von Dominic Heinzl (ATV) schwor, sie erkannt (und gefilmt) zu haben. In Redaktionen und Sendern klingelten Alarmglocken - obwohl Heinzl per Rundruf Entwarnung gab: "Mein Kameramann hat sich geirrt." Eh klar: Ein Trick. Denn: Vor der Babenbergerpassage wurden die Absperrungen verstärkt. Fotografen wurden nervös. Sicherheitshalber klapperten sie alle Nobelherbergen ab - und schon der zweite Frager deutete die Conciergen-Antwort, "heute nicht der erste Neugierige" zu sein, als Indiz. Kollegen riefen Kollegen an, versuchten Zwischentöne zu deuten. Kurz: Die Meute blieb, wie es so schön heißt, "am Ball".

Bloß: Der war nie im Spiel. Spätnachts auf der Tennisparty gab es dann - Überraschung! - keine Paris Hilton. Aber auch keinen Andy Roddick. Woraufhin ... und so weiter. (DER STANDARD Printausgabe 12.10.2006)

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