Spanien sagt: Adiós Macho

11. Oktober 2006, 19:23
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Regierung bereitet ein noch umstrittenes Gleichstellungsgesetz vor, das Frauen bessere Aufstiegschancen sichern soll

Spaniens Männerwelt scheint vor der Entmachtung zu stehen: Die Regierung bereitet ein noch umstrittenes Gleichstellungsgesetz vor, das Frauen in der Politik, in öffentlichen Ämtern und in der Privatwirtschaft bessere Aufstiegschancen sichern soll.


Es dürfte schon bald vorbei sein mit dem Macho-Paradies Spanien. Das Parlament in Madrid diskutiert auf Betreiben der sozialistischen Regierung von José Luis Rodríguez Zapatero ein Gesetz, das Frauen den Männern gleichstellt. Es soll Anfang 2007 Jahres in Kraft treten.

Künftig sollen die Wahllisten aller Parteien paritätisch besetzt werden. "Kein Geschlecht darf mit weniger als 40 Prozent vertreten sein", heißt es dazu. Gleiches gilt spätestens in acht Jahren für Führungsposten im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft bei Aufsichtsräten.

"Wir verlangen von den Unternehmen nicht, dass sie Kriterien wie Eignung, Verdienste und Effizienz aufgeben, sondern, dass sie diese Kriterien gründlich anwenden, ohne dass diese Entscheidung von Fragen wie nach dem Geschlecht beeinflusst wird", begründet Arbeits- und Sozialminister Jesús Caldera das Gesetz. Das würde die Produktivität der Unternehmen verbessern.

Caldera spielt damit auf die Statistiken an, die zeigen, dass in allen Fächern an Spaniens Universitäten die weiblichen Absolventen wesentlich besser abschneiden als ihre männlichen Kommilitonen. Dennoch finden sie schwerer einen Arbeitsplatz.

Mehr Weiterbildung

Zudem sollen Weitertbildungsmaßnahmen verstärkt für Frauen angeboten werden. Und im Elternbereich sollen auch die Machos mehr herangenommen werden - ein wenig: Das Gesetz sieht eine Ausdehnung des Vaterschaftsurlaubs von zwei Tagen auf immerhin eine Woche vor. Gewerkschaften, Frauenverbände sowie die Vereinigten Linken verlangen vier Wochen.

Caldera möchte, dass die Bevorzugung von Frauen bei gleicher Qualifikation in die Tarifverträge aufgenommen wird. Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten müssen einen Plan zur Gleichstellung haben. Falls gutes Zureden nicht helfe, "werden künftig härtere Maßnahmen ergriffen", sagt Caldera.

Das Gesetz stößt nur bei der Volkspartei (PP) auf Widerstand. "Die Gleichstellung darf nicht aufdiktiert werden", beschwert sich die frauenpolitische Sprecherin der Konservativen, Susana Camarero. Denn das provoziere den Widerstand der Firmen und verurteile damit die Maßnahmen zum Scheitern. Die Gleichstellung auf Wahllisten und in den Aufsichtsräten sei "ein Eliteproblem", die "normalen Menschen" betreffe sie nicht.

Die Konservativen, die eine freiwillige Gleichstellungspolitik der Unternehmen wünschen, bekommen just von denen Rückendeckung, die vom Gesetz profitieren sollen, von den Frauen. Bei einer Umfrage der Gratis-Tageszeitung Qué! unter 1200 Spaniern und Spanierinnen sprachen sich 58 Prozent der Frauen gegen die Parität aus.

Die Männer scheinen die Macho-Welt realistischer einzuschätzen: 30 Prozent befürworten das Gesetz. (Reiner Wandler aus Madrid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10. 2006)

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    Spaniens Machos werden in den Hintergrund gedrängt, wenn das Gleichstellungsgesetz für Frauen in Kraft tritt.
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