Pflichtversicherung "für Schweinsbraten"

3. November 2006, 13:41
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Der Vorstoß von IHS-Chef Felderer, für Freizeitunfälle eine Pflichtversicherung einzuführen, stößt bei den Assekuranzen auf wenig Verständnis

Wien – Die Forderung von IHS-Chef Bernhard Felderer im STANDARD-Interview, eine Pflichtversicherung für Freizeitunfälle einzuführen und die Prämien für Raucher zu erhöhen, stößt in der Versicherungswirtschaft zum Teil auf wenig Verständnis.

Generali-Vorstand Burkhard Gantenbein sagte zum STANDARD, er sei kein Freund einer Pflichtversicherung. Es gebe genug andere Möglichkeiten. Im Übrigen sollte man das jedem selbst überlassen. Außerdem müsste man sich überlegen, welche Institution diese Versicherung macht, Private oder der Staat.

Skeptisch ist Gantenbein auch, dass Raucher höhere Krankenversicherungs-Prämien bezahlen sollen. Das sei schwierig zu kontrollieren, und schwer nachzuweisen. Außerdem müsste man sich fragen, welche Auswirkung das Rauchen auf die Rentenversicherung habe. "Demnach müssten Raucher eigentlich weniger Prämie in der Rentenversicherung zahlen, weil sie ja bekanntlich früher sterben", so Gantenbein.

Risikoausgleich

Ähnlich reagierte Uniqa-Vorstand Elisabeth Stadler: "Wir unterscheiden nicht zwischen Rauchern und Nichtrauchern, sondern machen den Risikoausgleich innerhalb der Gruppe." Zuschläge gibt es – nach vorherigem individuellen Check – etwa für Bluthochdruck und Gewicht. Hier komme es auf das Ausmaß und die Kondition des Betreffenden an. Aber schließlich gehe es immer um die gleiche Frage: "Was ist gefährlich? Rauchen, trinken oder Schweinsbraten essen?"

Bei einer Pflichtversicherung für Freizeitunfälle fragt sich Stadler, "was passiert, wenn jemand nie Rad fährt, keine Versicherung hat, dann aber zufällig einmal doch in die Pedale tritt und sich verletzt?" Wichtiger sei eine präventive Vorsorge und Information. Außerdem hätten in Österreich ohnehin 40 Prozent der Bevölkerung eine private Unfallversicherung.

Gesund Lebende zahlen ein Drittel weniger

Städtische-Chef Günter Geyer findet den Grundgedanken Felderers "nicht schlecht". In der Sozialversicherung gelte zwar das Solidaritätsprinzip. Aber für Extremsportarten könnte er sich einen Regress oder eine Versicherung vorstellen. Bei der Städtischen zahlen Versicherte, die gesund leben, bereits jetzt um ein Drittel weniger Prämie.

Widerspruch kommt von der OÖ Gebietskrankenkasse: Es werde doch propagiert, Sport sei gesund, meint Obmann Alois Stöger. Diskutierenswert sei allerdings, ob man Steuern auf Alkohol und Tabak nicht dem Gesundheitssystem zuordne. "Das wäre sinnvoll." (Claudia Ruff, Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10.2006)

Kommentar
Solidarsystem ade

Nachlese
"Pflichtversicherung für Skifahrer" - IHS-Chef Felderer im STANDARD-Interview
  • "Was ist gefährlich? Rauchen, trinken oder Schweinsbraten essen?", fragt Uniqa-Vorstand Elisabeth Stadler.
    foto: derstandard.at/moser

    "Was ist gefährlich? Rauchen, trinken oder Schweinsbraten essen?", fragt Uniqa-Vorstand Elisabeth Stadler.

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