Haftstrafe: Tiroler Lastwagenfahrer gab sich als Prinz aus

17. Oktober 2006, 09:06
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Er gab sich als zahlungskräftiger Adeliger aus und lebte von seinen Kreditkarten- wollte auf Mallorca eine Privatbank zu gründen

Wien - "Prinz Seyn-Wittgenstein" ist am Mittwochnachmittag im Wiener Straflandesgericht wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann, bei dem es sich in Wahrheit um einen ganz unadeligen Tiroler handelt, hat sich als zahlungskräftiger Immobilienhändler und Chefpilot ausgegeben und mit dieser Masche 60.000 Euro erschlichen. Weil der Mann bereits wegen mehrerer Hochstapleraktionen bestraft wurde, fiel das Urteil mit sieben Jahren streng aus. Der Mann war mit dem Urteil einverstanden. Staatsanwalt Gerhard Jarosch gab vorerst keine Erklärung ab, so dass der Schuldspruch vorerst nicht rechtskräftig ist.

Adelige suchte Pfleger

Wenige Wochen nach seiner Haftentlassung wegen Betrügereien entdeckte der Mann in einer Zeitung eine Annonce, in der eine Vertreterin Seyn-Wittgenstein Interessenten für eine Adoption suchte, falls diese im Gegenzug ihre Obsorge "bis ins hohe Alter" übernehmen würden. Der Mann meldete sich bei der älteren Dame und gab vor, er könne auf Hinterlassenschaften in England und der Schweiz zugreifen und sei Geschäftsführer eines 70 Hubschrauber umfassenden Luftfahrt-Unternehmens. Er werde sich gern um sie kümmern, wenn sie ihn zum Prinzen mache.

Zu dieser Zeit arbeitete der Tiroler als Lkw-Fahrer und bekam so wenig bezahlt, dass er kündigte und die "Arbeitslose" vorzog. Die alte Dame wusste zwar nichts davon, bemerkte aber doch dass die Geschichten nicht stimmen können, so dass sie nichts unterschrieb.

Mit gefälschten Papieren zur Namensänderung

Trotzdem schaffte es der Tiroler, dass die 2005 von ihm beantragte Namensänderung durchging, weil die Beamten die getürkten Unterlagen zu wenig prüften. So wurde aus dem Mann scheinbar ein Seyn-Wittgenstein. Sofort ließ er Visitkarten drucken, die ihn als Adeligen auswiesen.

"Ich wollte einfach diesen Namen führen", erläuterte er vor Gericht, wo er sich zu den Betrügereien weitgehend geständig zeigte. Er lebte im Wesentlichen von seinen Kreditkarten, die er einfach überzog. Die angemieteten Fahrzeuge darunter ein Range Rover und ein Audi A6 zahlte er genau so wenig wie Computer- oder Handyrechnungen.

Plan zur Bankgründung

Bei seinem Plan mit einer gefälschten Lohnbestätigung eine Kredit von 60.000 Euro zu ergaunern, um auf Mallorca eine Privatbank zu gründen, flog er als Schwindler schließlich auf und wurde zum zweiten Mal in Haft genommen. (APA)

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