Alte Gesichter bei der Drogentherapie

26. Juli 2007, 13:33
37 Postings

In den USA leben immer mehr alte Rauschgiftsüchtige - Problem stellt Behörden vor neue Herausforderungen

Washington - Dennis hatte schon als Kind mit Drogen zu tun. Als er 13 war, gaben ihm seine Eltern Beruhigungsmittel, um seine Launen zu kontrollieren. In der Highschool verlor er einen Finger, als er unter Drogen stand. Doch richtig abhängig wurde er erst Jahrzehnte später, erzählt der ehemalige Fastfoodrestaurant-Manager.

Mit 53 zur Therapie

Die Gründe dafür: der Beginn einer Parkinson-Erkrankung, die Trennung von seiner Frau und eine Depression. Jetzt aber - mit 53 Jahren - hat Dennis, der seinen Nachnamen lieber nicht nennen möchte, den Ausstieg versucht. Einen Tag nach der Überdosis und Wiederbelebung einer Frau, mit der er gemeinsam Drogen genommen hatte, hat sich Dennis bei den "Narcotics Anonymous" gemeldet. Dort nimmt er nun an einer Gruppentherapie teil.

Alarmierende Herausforderung

Überrascht war Dennis, wie viele alte Menschen er bei der Therapie getroffen hat. Er gehört zur Generation der 75 Millionen US-"Babyboomer", die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Welt kamen. 1,7 Millionen von ihnen sind nach Angaben des US-Gesundheitsministeriums drogenabhängig - eine neue und alarmierende Herausforderung für die Vereinigten Staaten und ihre alternde Bevölkerung.

Immer mehr ältere Abhängige

Seit drei Jahren steigt die Zahl der Drogenabhängigen zwischen 50 und 59 Jahren an, wie der Nationale Drogen- und Gesundheitsbericht besagt. Das heißt nicht, dass mehr Menschen Suchtgift nehmen - aber immer mehr Abhängige erreichen dieses Alter.

Auslöser traumatisches Ereignis

Die Geschichte dieser Menschen ist der von Dennis oft sehr ähnlich, erzählt der Arzt Robert Raicht, der ältere Abhängige behandelt. Viele von ihnen hätten "niemals Drogen genommen, als sie jung waren, doch irgend etwas passierte dann später in ihrem Leben - ein traumatischen Ereignis, die Frau stirbt oder sie gehen in Pension". Mit einem Mal seien sie unsicher und begännen, Drogen zu nehmen.

Man beginnt nachzudenken

Was viele von ihnen schließlich dazu bringt, eine Therapie zu beginnen, sei oft einfach das Alter selbst. "Wenn man älter wird, beginnt man, über sein Erbe nachzudenken. Darüber, wie Familie und Enkel über einen denken. Und das ist es, was viele zu uns bringt, glaube ich." Tatsächlich sind in jüngster Zeit so viele ältere Süchtige zu Raichts Arbeitgeber, dem "Odyssey House" gekommen, dass dort ein eigenes Programm für für sie geschaffen wurde. 75 Teilnehmer über 55 Jahren des "ElderCare"-Programms leben nun in einer Klinik in New York.

Viele Therapien nicht geeignet

Nach Ansicht Raichts war es eine wichtige Erkenntnis, dass die ansonsten angebotenen Therapien einfach nicht für ältere Abhängige geeignet waren. Diese litten an den gleichen Beschwerden wie viele andere ältere US-Bürger, sagt Raicht. Doch für Drogenabhängige könnten Übergewicht, hoher Blutdruck und Diabetes schnell tödlich sein.

Diagnosen überdenken

Daher, so der Arzt, müssten auch Notaufnahmestellen ihre Diagnosen überdenken. Wenn ein älterer Mensch mit einem Herzinfarkt eingeliefert werde, würden die Ärzte meist nicht daran denken, dass dieser auch die Folge von Kokainmissbrauch sein könnte.(AFP)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.