Wien: Banküberfall um Grabstein für Ehefrau zu finanzieren

17. Oktober 2006, 21:26
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Als seine Frau erkrankte, hat der Mann seine kleinkriminelle Laufbahn abgebrochen um sie zu betreuen

Wien - Ein ungewöhnliches Motiv hatte ein Wiener Bankräuber, der am 30. Mai 2006 maskiert und mit einer Gaspistole eine Bank in Wien-Brigittenau überfiel. "Ich wollte einen Grabstein für meine Frau kaufen", erklärte der 45-jährige Mann im Straflandesgericht. Seine Frau starb zwei Monate zuvor an einem Krebsleiden. Ein Schwurgericht verurteilte den Räuber zu zehn Jahren Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigerin erbat Bedenkzeit.

"Meine Frau hat für mich alles bedeutet", erklärte der Witwer. Als diese erkrankte, hatte er ihr zuliebe seine kriminelle Laufbahn abgebrochen um sie zu betreuen. 19 Vormerkungen weist sein Strafregister auf. Als sie starb, "habe ich keinen Sinn mehr gesehen." Selbst schwer an Hepatitis C und schwerem Asthma erkrankt entschloss er sich zu einem Banküberfall, um ihr Begräbnis zu bezahlen und ihr einen ordentlichen Gedenkstein zu finanzieren.

Schild in Bank schreckte ab

Vor der ersten Bank, in die er marschieren wollte, schreckte ihn ein im Eingangsbereich angebrachtes Schild ab: "Überfälle sind sinnlos! Es ist kein Geld da!", war darauf zu lesen. Daraufhin ging der 45-Jährige in das Institut vis-a-vis. Aber auch dort hatte er kein Glück: Die Angestellte, die er ansprach und mit seiner Waffe bedrohte, gab ihm zu verstehen, dass sie keine Zugriffsberechtigung auf den automatisierten Kassentresor habe. Sie könne ihm daher kein Geld geben. Auf den Befehl, das Kleingeld herauszurücken, erklärte sie: Es seien "nur ein paar Euro" da.

Daraufhin flüchtete der Mann ohne Geld auf einem Fahrrad. Eine Woche später wurde er nach einem anonymen Hinweis in einer U-Bahnstation festgenommen. (APA)

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