Energiewende nach schwedischem Modell

17. Oktober 2006, 12:54
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Österreich wurde von einem Stromexport- zu einem Importlandland - Umweltschützer fordern neues Ökostromgesetz oder Volksabstimmung

Wien - Umweltschützer und die Erzeuger erneuerbarer Energie fordern eine Energiewende nach schwedischem Modell. Das im Frühjahr novellierte österreichische Ökostromgesetz habe die Fortschritte der vergangenen Jahre zunichte gemacht, Österreich sei mittlerweile von einem Stromexport- zu einem Importland geworden.

Alleine der Gasverbrauch werde durch die Förderung von Gaskraftwerken um ein Drittel zunehmen, hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz von Greenpeace, Global 2000, WWF, Biomasseverband, IG Windkraft, Klimabündinis und Eurosolar.

Schwedisches Modell

Das schwedische Modell sehe hingegen eine Strom-, Wärme-, und Treibsstoffabdeckung zu 100 Prozent durch Erneuerbare Energie bis zum Jahr 2050 vor. Hingegen würden derzeit in Österreich jährlich acht Mrd. Euro für Energieimporte ausgegeben. Gleichzeitig sank der Anteil erneuerbarer Energien hierzulande innerhalb von vier Jahren von 23,2 auf 21,5 Prozent, hieß es heute.

Keine Ökostrom-Maßnahmen

Der Direktor des naturhistorischen Museums, Bernd Lötsch, warnte aber vor dem einseitigen Ausbau von Großwasserkraftwerken. "Wenn wir so weitermachen, ist bald kein Bach mehr sicher. Alleine in Tirol gibt es 60 Projekte, die dann noch schön gestückelt werden, damit sie Förderungen bekommen", so Lötsch. Die IG Windkraft wiederum betonte, dass Österreich "Energieverbrauchszuwächse wie ein Entwicklungsland hat".

Die Energieverbrauchszuwächse hat auch schon die EU kritisiert und darauf hingewiesen, dass sich Österreich zu weit vom Kyoto-Ziel weg bewege. In einem Mahnschreiben von EU-Energiekommissar Andris Piebalgs hieß es heuer, dass es Anzeigen gebe, "dass in Österreich keine geeigneten Maßnahmen zur Steigerung des Verbrauches von Strom aus erneuerbaren Energiequellen getroffen wurden ... , um den Zielwert von 78,1 Prozent (Ökostrom-Anteil, Anm.) bis 2010 zu erreichen". Das Wirtschaftsministerium betonte daraufhin, dass man die Kyoto-Ziele trotz Kritik erreichen werde.

Volksbefragung

Wenn die künftige neue Regierung das Ökostromgesetz nicht wieder ändert, dann sollte eine Volksbefragung abgehalten werden, forderte Greenpeace. Die Novelle des Ökostromgesetzes war am 22. Mai von der ÖVP/BZÖ-Regierung und der SPÖ beschlossen worden, die Grünen stimmten dagegen. Geht es nach den Umweltschützern und Ökoenergie-Erzeugern, dann sollte in Österreich das Ökostromgesetz nach deutschem Vorbild novelliert werden. (APA)

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