Ballaststoffe schützen doch nicht vor Darmkrebs

30. Juni 2000, 09:11

Zwei amerikanische Studien widerlegen die verbreitete Theorie

Hochheim - Seit Jahrzehnten hält sich hartnäckig die Theorie, dass Ballaststoffe vor Darmkrebs schützen. Zwei amerikanische Studien haben jetzt diese Vermutung widerlegt, wie das Europäische Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften in Hochheim berichtete.

In der einen Studie hatten die Wissenschafter 1.300 Patienten mit so genannten Dickdarmadenomen untersucht. Diese gutartigen Geschwulste gelten als Krebsvorstufe und werden daher in der Tumorprophylaxe entfernt.

Ein Teil der Testpersonen ergänzte über Jahre hinweg die normale Ernährung mit Weizenkleie, die das Auftreten neuer Adenome verhindern sollte. Doch nach drei Jahren zeigte sich nach Angaben des Instituts in der Weizenkleie-Gruppe kein Unterschied zur Kontrollgruppe, weder in der Häufigkeit noch in Anzahl und Größe neuer Adenome. Allerdings häuften sich den Medizinern zufolge bei Patienten, die die zusätzliche Ballaststoffration zu sich nahmen, Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit und Durchfälle. Die Darmkrebsrate war bei ihnen sogar leicht erhöht.

In der zweiten Studie untersuchten die Forscher an 2.000 Adenompatienten den Effekt einer fettarmen, ballaststoff-, obst- und gemüsereichen Kost auf das Wiederauftreten der Darmpolypen. Die Testpersonen durften nur 20 Prozent ihrer Kalorien in Form von Fett aufnehmen und mussten pro 1.000 Kilokalorien 18 Gramm Ballaststoffe und 3,5 Portionen Obst und Gemüse essen. Nach vier Jahren habe sich auch hier keinerlei Effekt gezeigt, berichtete das Institut. (APA)

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