Öl wird nicht knapp, aber die Förderung teurer

15. November 2006, 10:08
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Ruttenstorfer: Preisprognosen werden immer unsicherer - OMV-Chef erwartet Ölpreis-Rückgang auf 40 Dollar

Wien - Die Öl-Vorräte der Welt werden noch lange nicht zu Ende gehen, aber es wird immer teurer, sie zu fördern. An der überragenden Bedeutung von Erdöl als primärer Energieträger werde sich auch in den nächsten Jahrzehnten nichts ändern, versicherte die OMV-Spitze am Mittwoch beim 4. "OMV Media Summit" in Wien. Die beherrschenden Themen der Zukunft werden laut OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer die Versorgungssicherheit und die Preisentwicklung sein, wobei letztere immer schwerer vorherzusagen sei.

So hätten die Preisprognosen für das 4. Quartal des folgenden Jahres im September 2003 zwischen 22,50 und 28,50 Dollar betragen, die Prognosen lagen damals noch um bis zu 18 Prozent auseinander. Im Juli 2006 habe die Spanne der Prognosen gar 77 Prozent betragen, die Preiserwartungen rangierten von 47,50 bis 84 Dollar (bis zu 63,8 Euro), erklärte Ruttenstorfer. Öl der Nordseesorte Brent kostete heute früh in London 59,12 Euro pro Fass und war damit um 22 Cent billiger als gestern zum Handelsschluss. Ruttenstorfer rechnet in den nächsten Jahren mit einem Preisrückgang auf 40 Dollar (31,90 Euro).

Genug Öl

Jedenfalls gebe es bei der derzeitigen Förderrate genug Öl mindestens für die nächsten 40 Jahre, ist der OMV-Chef überzeugt. Es sei weniger eine Frage der Ressourcen, als des Zugangs zu diesen Ressourcen. Es gebe derzeit 1.201 Mrd. Barrel nachgewiesene Ölreserven auf der Welt, davon würden drei Viertel auf die OPEC-Länder entfallen. Diese gesicherten Reserven seien aber nur ein kleiner Teil der tatsächlich vorhandenen Ressourcen.

Seit Beginn der Ölförderung vor 100 Jahren sei bisher nicht einmal ein Fünftel der vorhandenen Ölvorkommen gefördert worden, erklärte der für den Bereich E&P zuständige Vorstandsdirektor Helmut Langanger und berief sich dabei auf Daten der Internationalen Energieagentur IEA. Die IEA hat die gesamten Ölvorkommen der Welt in 5,5 Einheiten geteilt, wobei die bisherige Fördermenge einer Einheit entspricht. Etwa ebenso viel leicht zugängliches Öl liege im Nahen Osten, die Förderkosten würden dort höchstens 15 Dollar pro Barrel betragen, so Langanger. Fast eine Einheit gut erschließbares Öl liege in Nicht-OPEC-Ländern, mit Förderkosten von 20 bis 25 Dollar pro Barrel. Wesentlich teurer sei die Förderung von Ölvorkommen in der Arktis (60 Dollar) und in der Tiefsee, oder die Gewinnung aus Ölsanden, wobei die Kosten bis zu 70 Dollar pro Fass betragen.

Raffineriekapazität verdoppeln

"Unser Fokus ist es, bis 2010 die Produktion von derzeit etwa 330.000 bpd (Fass pro Tag) auf 500.000 boe/d in den sechs Kernregionen einschließlich Russland und der kaspischen Region zu steigern, das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel", sagte Ruttenstorfer. Darüber hinaus wolle man die Raffineriekapazität um bis zu 500.000 bdp verdoppeln.

Die Diesel-Produktion in Österreich und Deutschland soll bis 2010 von 4,6 Mio. Tonnen auf 5,6 Mio. Tonnen steigen. Der Investitionsplan in dieser Teilregion sieht Ausgaben in Höhe von 615 Mio. Euro vor, davon entfallen allein auf Schwechat (2005 - 2009) 252 Mio. Euro. In die rumänische Raffinerie Petrobrazi (60 Kilometer nördlich von Bukarest) sollen bis 2011 1 Mrd. Euro fließen, dort soll die Diesel-Produktion auf 2,1 Mio. Tonnen verdreifacht werden.

Mehr Versorgungssicherheit

Was die Versorgungssicherheit bei Gas betrifft, sei mit der Verlängerung des Liefervertrages mit dem russischen Gazprom-Konzern bis 2027 vor kurzem ein wichtiger Schritt gesetzt worden, sagte Ruttenstorfer. Außerdem setze man weiterhin sehr stark auf die Nabucco-Pipeline, die Gas aus Aserbaidschan, dem Iran, Irak und Ägypten über die Türkei nach Europa bringen soll. In dieses Projekt sei zuletzt wieder Bewegung gekommen, so der OMV-Chef. Zur Versorgung der Adria-Region und Westeuropa werde das Projekt eines Flüssiggas-Terminals auf der kroatischen Insel Krk geprüft.

Die Bedeutung von Öl, Gas und Kohle im Vergleich zu anderen Energieträgern wird sich laut "World Energy Outlook 2005" der IEA zumindest bis 2030 kaum ändern, diese drei Energieträger decken zusammen rund 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Atomkraft werde als Energiequelle nicht verschwinden, aber auch nicht wachsen, sagte Langanger. Biomasse werde langsam, aber kontinuierlich zunehmen, Wind- und Sonnenenergie in absehbarer Zeit nicht an Bedeutung gewinnen.

Diesel-Nachfrage wächst bis 2015 um 27 Prozent

Die Nachfrage nach Diesel-Treibstoff wird in Europa nach Ansicht von OMV-Vizechef Gerhard Roiss weiter stark zunehmen - bis 2015 sei mit einem Zuwachs um 27 Prozent zu rechnen, sagte Roiss am Mittwoch beim "OMV European Media Summit". Darum will die OMV bis 2011 ihren Diesel-Output deutlich erhöhen - in ihren westeuropäischen Raffinerien um 22 Prozent auf 5,6 Mio. Tonnen pro Jahr, in der rumänischen Raffinerie Petrobrazi sogar um 200 Prozent auf 21,1 Mio. Tonnen - was zusätzliche Investitionen und Umstellungen der Raffineriekapazitäten notwendig macht.

Bis 2009 sind in den drei OMV-Raffinerien Schwechat, Burghausen und Bayernoil Investitionen in Wert von insgesamt 615 Mio. Euro geplant. Bei der deutschen Raffineriegesellschaft Bayernoil, an der die OMV mit 45 Prozent beteiligt ist, ist die Schließung des Standorts Ingolstadt sowie einer von zwei Rohöldestillationsanlagen in Neustadt vorgesehen.

In Österreich wird derzeit jedes zweite Auto mit Diesel betrieben, in Deutschland erst jedes fünfte. In Norwegen beträgt der Diesel-Anteil 15 Prozent, in Schweden 5 Prozent. Bei den Neuregistrierungen zeigt sich der Trend zum Diesel noch deutlicher: In Österreich sind bereits 79 Prozent aller Neuwagen Dieselfahrzeuge, in Deutschland und Norwegen 40 Prozent und in Schweden 6 Prozent.

Dagegen nimmt die Nachfrage nach Benzin in Europa ab und soll sich bis 2015 jedes Jahr um zwei Prozent verringern. In den USA ist der Trend umgekehrt, der Benzinverbrauch ist doppelt so groß wie der Rückgang in Europa. (APA)

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    foto: standard/omv
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