EADS-Aktionäre wollen Airbus an die kurze Leine nehmen

25. Oktober 2006, 18:54
posten

Spanische Regierung bekräftigte ihr Interesse an einer höheren Beteiligung an EADS

München - Die Großaktionäre des EADS-Konzerns wollen den kriselnden Flugzeughersteller Airbus so eng wie möglich in die Gruppe einbinden. Über die Auswirkungen des geplanten Sparprogramms im Volumen von zwei Mrd. Euro auf die einzelnen Standorte will Airbus erst nach ausführlichen Studien in mehreren Wochen entscheiden.

Manfred Bischoff, einer der beiden Verwaltungsratschefs von EADS, sagte der Zeitung "Les Echos", die zu großen Freiheiten für Airbus in der Vergangenheit hätten zu den Problemen beim A380 und der damit verbundenen Ergebnisbelastung von fast fünf Mrd. Euro geführt. "Wir haben keine Absicht, zu diesem Modell zurückzukehren." Auch im Gespräch mit der Finanzzeitung "Handelsblatt" machten Bischoff und der Co-Vorsitzende des EADS-Führungsgremiums, Arnaud Lagardere, das Ziel deutlich, Airbus möglichst komplett in die EADS-Gruppe zu integrieren.

EADS und Airbus stecken wegen den Lieferverzögerungen von inzwischen zwei Jahren beim doppelstöckigen A380 tief in der Krise. Am Montag hatte EADS-Co-Vorstandschef Louis Gallois auch die Führung bei Airbus übernommen. Im Rahmen eines umfassendes Sparprogramms soll Airbus nun auch seine Produktionsstruktur unter die Lupe nehmen, die mit verteilten Fertigungen in verschiedenen Standorten auch die deutsch-franzöische Machtbalance beim Mutterkonzern EADS widerspiegelt.

Kein Verkauf von Werken

EADS und Airbus wiesen einen Bericht der deutschen "Bild"-Zeitung zurück, wonach das Unternehmen in Deutschland den Verkauf von fünf Werken mit mehr als 6.000 Mitarbeitern an Investoren plane. "Das sind Spekulationen ohne jede Grundlage", sagte ein EADS-Sprecher. Eine Sprecherin von Airbus ergänzte, der Sparplan enthalte bisher den groben Rahmen, aber noch keine Details. Die weiteren Untersuchungen würden noch Wochen dauern.

Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, Airbus wolle die Werke in Nordenham, Stade, Varel, Buxtehude und Laupheim schnellstmöglich an Investoren abgeben, um mit ihnen zu besseren Konditionen als Zulieferer zusammenzuarbeiten. Insgesamt beschäftigt Airbus in sieben großen Werken über 20.000 Menschen in Deutschland, darunter rund 11.000 in Hamburg, wo die zweite große Endmontagelinie neben Toulouse angesiedelt ist.

Deutschlands Wirtschaftsminister Michael Glos forderte, die Lasten der Sanierung müssten fair zwischen Deutschland und Frankreich verteilt werden, was der neue Airbus-Chef Gallois bereits zugesichert hat. Die Berliner Regierung werde sich mit aller Kraft für die deutschen Standorte einsetzen, und er werde die Lage bei Airbus beim deutsch-französischen Gipfel am Donnerstag in Paris auch mit seinem französischen Kollegen beraten.

Unterdessen bekräftigte die spanische Regierung ihr Interesse an einer höheren Beteiligung an EADS, um spanische Arbeitsplätze möglichst abzusichern. Neben einer höheren Beteiligung gehe es der Regierung dabei um eine Absicherung der Aktivitäten von EADS und Airbus in Spanien, sagte Wirtschaftsminister Pedro Solbes laut Medienberichten. Spanien ist mit gut fünf Prozent an EADS beteiligt.

Die EADS-Verwaltungsratschefs Bischoff und Lagardere, die die Großaktionäre DaimlerChrysler, die Lagardere-Gruppe und den französischen Staat vertreten, machten nochmals ihre Unterstützung für das Sparprogramm "Power8" deutlich. Das Vorhaben werde sicher nicht ohne Schmerzen vollzogen werden, weder in Toulouse noch in Hamburg oder anderen Standorten, sagte Bischoff. Das Sparprogramm hatte noch der vorherige Airbus-Chef Christian Streiff ausgearbeitet, der am Montag nach nur drei Monaten das Handtuch geworfen hatte, weil er unabhängiger von EADS den Flugzeughersteller umstrukturieren wollte. Ein EADS-Sprecher verwies darauf, der Verwaltungsrat des Konzerns habe bereits im Sommer beschlossen, Airbus enger einzubinden. Und dies habe auch Streiff gewusst. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.