Ein Zuckerl ist ein Zuckerl ist...

14. März 2007, 13:08
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Spitzwegerich, Thymian, Eibisch, Anis und Isländisch Moos beruhigen den Reizhusten - Heilmittel sind Hustenbonbons jedoch keine

Wien - Sich bei schweren Husten und Halsschmerzen auf Bonbons zu verlassen, davon raten PharmazeutInnen und ÄrztInnen ab. "Ein Zuckerl ist ein Zuckerl und enthält nun mal keine Arzneien", erklärte die Pharmazeutin Christina Kletter von der Wiener Auge Gottes Apotheke. "Ein Hustenbonbon empfehle ich bei leichtem Kratzen im Hals bei einem Konzert", so Kletter. Wer unter längerem Halsbeschwerden leidet, solle besser Hustensaft oder Tropfen einnehmen, auch Pastillen enthalten chemische Substanzen, die nur apothekenexklusiv verkauft werden dürfen.

Beruhigen die Schleimhäute

Reinhard Krapka, HNO-Arzt in Wien, konnte bei den Inhaltsstoffen von Hustenzuckerln keine wesentlichen Unterschiede erkennen: "Es sind meist ätherische Öle auf pflanzlicher Basis, die getrocknet und gepresst werden." Sie wirken "schleimhautberuhigend, weil sie eine anästhetische Wirkung haben", also den Schmerz im Hals betäuben. Dennoch dürfte man sich auf die Wirkung nicht verlassen, "wenn der Husten innerhalb ein paar Tagen nicht weg ist, sollte man den Arzt aufsuchen", warnte Krapka.

Lactose und Gluten

Vorsicht ist laut dem Spezialisten vor allem bei "Füllstoffen wie Lactose oder Gluten" geboten. Ersteres sei vor allem für DiabetikerInnen ungeeignet, für Kinder heißt es bei Gluten aufzupassen. Auch das oft beigemengte Vitamin C "klingt zwar gut", die Ascorbinsäure kann aber "Probleme mit dem Magen" machen. Sehr wichtig ist Krapka, dass eine Überdosierung von Hustenzuckerl sowie Medikamenten allgemein "keine beliebige Wirkungssteigerung" hervorruft. Ab einem gewissen Bereich "lässt sie sogar nach, und die Anzahl der Nebenwirkungen steigt".

Differenzieren

Kletter betonte: "Es ist wichtig, zwischen Schleim- und Reizhusten sowie Husten und Halsweh zu unterscheiden. Wer die Warnsignale des Körpers mittels Hustenzuckerlkonsum unterdrücke, könne den Husten verschlimmern. Wenn zum Beispiel ein Bronchialhusten übergangen werde, könne das im "absoluten" Extremfall zu einer Bronchitis und darauf hin zu einer Lungenentzündung führen, erklärte die Pharmazeutin.

Kräuter beruhigen

Nicht apothekenpflichtige Zuckerl wirken auf jeden Fall lokal beruhigend, befeuchten den Hals durch verstärkte Speichelbildung, sind aber kaum schleimlösend. Kräuter wie Spitzwegerich, Thymian, Eibisch, Anis und Isländisch Moos, die in vielen Hustenzuckerl enthalten sind, haben verschiedene heilende oder mildernde Wirkungen. Besonders Spitzwegerich und Isländisch Moos stillen den Hustenreiz. Melisse habe eine antibakterielle Funktion. "Thymian und Schafgarbe helfen bei Krampfhusten", berichtete Kletter. Salbei sei rein entzündungshemmend, Honig schmiert den Hals und könne unterstützend wirken.

Da ein Hustenbonbon nur sehr geringe Dosen an Wirkstoffen enthält, muss man sich laut Kletter vor Nebenwirkungen wie etwa Allergien nicht fürchten. Wenn jemand starken Husten hat, müsste er wahrscheinlich die ganze Packung Hustenzuckerl essen, um die Wirkung der Kräuter zu spüren, meinte die Apothekerin in Bezug auf das Ricolabonbon, welches nur ein Prozent der Auszüge der Kräutermischung enthält. Auch ein Hals-Fruchtgummi habe "weil er so kurz im Mund ist" höchstens eine marginale Wirkung. (APA)

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    Hustenzuckerl sind eben Zuckerl und keine Tabletten. Trotzdem bringen sie Erleichterung bei Heiserkeit, Halsweh und Husten.

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