Abgabenquote in Österreich spürbar gesunken

25. Oktober 2006, 18:28
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Die Abgabenbelastung ist im Vorjahr entgegen dem OECD-Trend von 42,6 Prozent auf 41,9 Prozent zurückgegangen - hohe Sozialabgaben belasten

Paris/Wien - Die Abgabenbelastung in Österreich ist im Vorjahr entgegen dem OECD-Trend von 42,6 Prozent auf 41,9 Prozent im Vorjahr zurückgegangen. Nur Ungarns Steuerquote ging noch weiter zurück. Getragen werde dieser Rückgang durch eine geringere Besteuerung der Einkommen und Unternehmensgewinne, geht aus einer am Mittwoch veröffentlichte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor.

Obwohl die Steuersätze in zahlreichen OECD-Ländern herabgesetzt wurden, hat der Anteil der Fiskaleinnahmen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vorjahr in 17 von 24 Mitgliedsstaaten, deren Daten bereits zur Verfügung stehen, zugenommen. In fünf nahm er ab, unter ihnen auch Österreich, in zwei blieb er unverändert. Unter den fünf Ländern, in denen der Steueranteil am BIP rückläufig war, verzeichnete Ungarn mit 37,1 Prozent (2004: 38,1 Prozent) Steuer- und Sozialabgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) den stärksten Rückgang.

Schwache Abnahme in Italien

In Italien wurde eine schwache Abnahme von 0,1 Prozentpunkten auf 41 Prozent verzeichnet. In der Slowakei nahm der Steueranteil am BIP von 30,3 auf 29,4 Prozent ab, in Luxemburg von 37,8 Prozent auf 37,6 Prozent.

Den stärksten Anstieg der Steuereinnahmen am BIP verzeichneten die Vereinigten Staaten, in denen er um 1,3 Prozent auf 26,8 Prozent zunahm. Es folgt Großbritannien mit plus 1,2 Prozent auf 37,2 Prozent. Der größte Steueranteil am BIP wurde in Schweden mit 51,1 Prozent gegen 50,4 Prozent im Jahr 2004 verzeichnet. In Spanien stieg der Anteil von 34,8 auf 35,8 Prozent.

Diese Daten weisen laut OECD-Studie darauf hin, dass die in den Jahren zwischen 2000 und 2003 verzeichneten generalisierten Steuersenkungen nunmehr rückläufig sind. In der Zeitspanne hatte die Proportion der Steuereinnahmen am gesamten BIP der OECD-Länder von 36,6 Prozent auf 35,8 Prozent abgenommen, während bereits 2004 wieder eine Zunahme auf 35,9 Prozent verzeichnet wurde.

Erhöhung der Einkommensteuern

Den größten Beitrag zur Anhebung des Fiskalanteils am BIP leistete laut Studie die Erhöhung der Einkommenssteuern für physische Personen und Gesellschaften. Die größte Einkommenssteuerzunahme wurde in Island verzeichnet, wo diese Einnahmequelle nunmehr 19,3 Prozent des BIP ausmacht (gegen 17 Prozent im Jahr 2004). In den USA stieg der Anteil von 11,1 auf 12,5 Prozent, in Großbritannien von 13,2 Prozent auf 14,3 Prozent. In Österreich nahm der Anteil dagegen von 12,5 auf 12 Prozent ab, in Ungarn von 9 auf 8,9 Prozent und in der Tschechei von 9,7 Prozent auf 9,4 Prozent.

Die OECD weist in der Studie weiter darauf hin, dass die größeren Einkommenssteuereinnahmen erreicht wurden, ohne dass es in einem Mitgliedsland eine Anhebung des Einkommenssteuersatzes gegeben hätte. Die Mehreinnahmen seien daher auf eine größere Rentabilität der Unternehmen und auf größere Einkommen der arbeitenden Bevölkerung zurück zu führen.

Österreicher mit hohen Sozialabgaben belastet

Währen die Besteuerung von Einkommen und Unternehmensgewinnen in Österreich zurückgeht, sind nach Angaben der OECD die Staatseinnahmen aus Sozialabgaben überdurchschnittlich hoch. Die Quote bei den Sozialbeiträgen, die ausschließlich aus Arbeitseinkommen bezogen werden, lag in Österreich in den vergangenen zwei Jahren bei 14,4 Prozent des BIP. Der OECD-Schnitt war 2004 bei 9,4 Prozent, geht aus der aktuellen OECD-Studie hervor.

Während die Steuereinnahmen aus Einkommen und Gewinne in Österreich ständig sinken, verharren die Sozialabgaben weiter "auf sehr hohem Niveau", zeigen die Untersuchungen. Innerhalb der OECD nehmen nur noch Frankreich und die Tschechische Republik höhere Sozialbeiträge ein.

Der Rückgang der Steuerquote in Österreich ist hauptsächlich auf ein geringeres Aufkommen aus Steuern auf Einkommen- und Unternehmensgewinne zurückzuführen. So sank 2005 der Anteil dieser direkten Steuern am BIP gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozentpunkte, nachdem er von 2003 auf 2004 bereits um 0,2 Prozentpunkte zurückgegangen war. Insgesamt liegt Österreich mit einem Anteil von 12 Prozent am BIP bei den Einkommens- und Unternehmenssteuern damit etwa einen Prozentpunkt unter dem OECD-Schnitt.

Einnahmen aus Substanzsteuern

Die Einnahmen aus Substanzsteuern wie etwa Grund-, Vermögens-, Schenkungs- und Erbschaftssteuer liegen in Österreich bei 0,5 Prozent des BIP und damit nur bei etwa einem Viertel des OECD-Schnitts von 1,9 Prozent. Nur Mexiko, Tschechien und die Slowakei, also Staaten mit einem deutlich geringen Vermögensbestand als Österreich erzielen geringer Einnahmen aus dieser Steuerquelle.

Die Einnahmen aus Steuern auf Waren und Dienstleistungen (Mehrwert-, Mineralöl, Tabak-, Versicherungs-, Kfz- und andere Verbrauchssteuern) lagen in Österreich 2005 bei 11,9 Prozent des BIP und damit knapp unter dem Vorjahreswert von 12,0 Prozent. Das OECD-Mittel lag 2004 bei 11,4 Prozent des BIP. (APA)

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