Internationale Pressestimmen zu Nordkorea

13. Oktober 2006, 16:21
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"Washington Post": Atomtest macht Scheitern der US-Politik deutlich - "Corriere della Sera": Es war nichts zu machen

Den Haag/Washington/Rom - Am Mittwoch befassen sich erneut mehrere Zeitungen mit dem angeblichen Atomwaffentest Nordkoreas:

"Trouw" (Amsterdam):

"Ob China zu (begrenzten) Sanktionen bereit ist, bleibt zweifelhaft. Das Land fürchtet einen Zusammenbruch Nordkoreas und ein dadurch verursachtes Chaos mit Flüchtlingsströmen. Aber die Stabilität, die China erhalten will, ist eigentlich eine Illusion. Nordkorea stört die politischen Verhältnisse in der Region und vergrößert die Möglichkeit, dass Länder wie Südkorea und Japan aufrüsten - auch nuklear. Auch China hat langfristig mehr von einer dauerhaften Lösung, die Nordkorea, wenn auch nicht mit dem Süden vereint, enger mit dem Rest der Welt verbindet."

"Washington Post":

"Der Test, der für Nordkorea den Höhepunkt bei seinem Streben zu einer Atommacht bildet, macht zugleich das Scheitern der Politik der Bush-Regierung gegenüber diesem Land deutlich. Für mehr als sechs Jahre bestand diese Politik aus einer sonderbaren Mischung aus barscher Sprache und Untätigkeit.

(...) Die Unaufmerksamkeit unserer Regierung hat es Nordkorea ermöglicht eine neue und gefährliche Bedrohung für den Asien-Pazifik-Raum zu entwickeln. Möglicherweise ist es zu spät, diesen Schaden rückgangig zu machen. Aber ein ernsthaftes Problembewusstsein könnte auch jetzt noch das Ausmaß des Schadens begrenzen."

"Corriere della Sera" (Mailand):

"Jetzt regnet es harte Worte auf Nordkorea, aber keine Verurteilung und keine Sanktionen werden rückgängig machen können, was geschehen ist. Indem er bekannt gab, einen unterirdischen Atomtest durchgeführt zu haben, hat der Tyrann Kim Jong Il die ganze Ohnmacht der internationalen Gemeinschaft in Sachen Nicht-Weitergabe von Atomwaffen vor Augen geführt.

Die Vereinigten Staaten von George Bush, aber auch China, Russland sowie Japan und Südkorea haben alle auf ihre Art versucht, das nordkoreanische Vorhaben zu stoppen, haben dabei Zuckerbrot und Peitsche eingesetzt, haben klargemacht, dass ohne Hilfe aus dem Ausland die Nordkoreaner nichts zu essen haben. Dennoch war nichts zu machen, der überzogene und verzweifelte Nationalismus des Regimes in Pjöngjang ist seinen Weg gegangen." (APA/dpa)

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    foto: epa
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