Ahtisaari: Friedensnobelpreis für "weit gespannte" Arbeit zuerkennen

12. Oktober 2006, 20:45
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Als Mitfavorit gehandelter finnischer Ex-Präsident wünscht sich eines Tages "Freund" George Soros als Preisträger

Helsinki - Der wenige Tage vor Bekanntgabe des diesjährigen Friedensnobelpreisträgers als einer der Favoriten gehandelte finnische Ex-Präsident und langjährige Vermittler in internationalen Konflikten, Martti Ahtisaari, hofft, dass der Preis kommenden Freitag für "weit gespannte Friedensarbeit" zuerkannt wird. Ahtisaari sagte in einem am Dienstag aufgezeichneten Interview mit dem finnischen Fernsehsender YLE, er wünsche sich, dass eines Tages sein "Freund" George Soros den Preis erhalten würde.

Ahtisaari, der bis Ende des Jahres mit einem Mandat der Vereinten Nationen als Sondergesandter in den Gesprächen zwischen Pristina und Belgrad über den künftigen Status und die künftige ethnische Ordnung im Kosovo vermittelt, räumte ein, dass der von ihm vergangenen August vermittelte Friede in der ehemaligen Bürgerkriegsprovinz Aceh in Nordwest-Indonesien gerade erst einmal ein Jahr hält. Es wird spekuliert, dass neben Ahtisaari auch die beiden in den Friedensprozess involvierten Parteien, also etwa Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono und die Führung der ehemaligen Rebellenbewegung Freies Aceh (GAM) gemeinsam mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden könnten.

MAndela "fast ein Heiliger"

Er könne keinen "typischen" Friedensnobelpreisträger charakterisieren, sagte Ahtisaari in dem Interview. Einer, den er allerdings immer hervorhebe, sei Nelson Mandela, der für ihn "fast ein Heiliger" sei. Ahtisaari verwies auch darauf, dass viele, die sich für den Frieden einsetzen, bisher nicht ausgezeichnet wurden: Ich würde mir etwa wünschen, dass eines Tages mein Freund (der medienscheue, als Philanthrop geltende US-Milliardär, Anm.) George Soros so eine Person sein könnte. Er hat derart Beispiel gebend die offene demokratische Gesellschaft in der Welt gefördert und dafür gewaltige Mengen seiner eigenen Mittel, Zeit und Energie aufgewendet und tut das noch immer."

Ahtisaari war von 1994-1999 finnische Staatspräsident. Während seiner langen internationalen Vermittlerkarriere leitete er unter anderem als UNO-Hochkommissar den Unabhängigkeitsprozess im westafrikanischen Namibia (1977-1981). 1992 wurde er Vorsitzender für Bosnien-Herzegowina in der zuständigen Arbeitsgruppe der Internationalen Konferenz für das frühere Jugoslawien. 1999 vermittelte er erstmals im Kosovo. Den Österreichern ist Ahtisaari bis heute als Leiter der "Drei Weisen" ein Begriff, der im Auftrag der EU-14 im Zusammenhang mit den EU-Sanktionen gegen die schwarz-blaue Regierung die innenpolitische Lage Österreichs ausleuchteten.

Der Träger des Friedensnobelpreises 2006 soll am kommenden Freitag (13.10.) um 11.00 Uhr MESZ in Oslo bekannt gegeben werden. Ahtisaari wurde vergangenes Jahr von der finnischen Regierung offiziell für die erfolgreiche Vermittlung des Aceh-Friedensabkommens vom 15. August 2005 für die Auszeichnung vorgeschlagen. (APA)

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