ai-Studie über Kongo: Mädchen als Sexsklavinnen gehalten

11. Oktober 2006, 13:42
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Programm zur Entwaffnung von Kindersoldaten greife nicht umfassend - Mädchen würden von Regierung zu wenig Unterstützung erhalten

Goma - Drei Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs im Kongo sind nach Angaben von amnesty international weiterhin tausende Kinder in der Gewalt von Milizen. Betroffen seien mindestens 11.000 Kinder, die gefangen gehalten oder als vermisst gelten würden, teilte die Menschenrechtsorganisation am Mittwoch mit. Hilfsorganisationen vor Ort berichteten, dass die Kinder von den Kämpfern als SoldatInnen, Sex-SklavInnen oder Hauspersonal eingesetzt würden.

Der Krieg im Kongo zwischen 1998 und 2003 wird häufig als Afrikas erster Weltkrieg bezeichnet. Fast vier Millionen Menschen kamen durch Gewalt, Hunger und Krankheiten ums Leben. Die Rebellen entführten für ihren Kampf tausende Kinder und bildeten sie als SoldatInnen aus. Im Juli fanden in dem zentralafrikanischen Land die ersten freien Parlaments- und Präsidentenwahl statt. Für den 29. Oktober ist eine Stichwahl um das höchste Staatsamt angesetzt. Die Wahlen werden von Friedenssoldaten der Vereinten Nationen abgesichert - im Einsatz sind auch drei Offiziere des Bundesheers.

Neue Rekrutierungen

Ein vor zwei Jahren von der Regierung ins Leben gerufene Programm zur Wiedereingliederung der Kinder in die Gesellschaft sei gescheitert, teilte amnesty international mit. So seien tausende Kinder bisher nicht freigekommen. "Neue Kindersoldaten werden rekrutiert, darunter einige, die erst kürzlich frei kamen und mit ihren Familien zusammengeführt wurden", sagte der Vize-Chef von amnesty internationals Afrika-Programm, Tawanda Hondora.

Mädchen als Spioninnen, Hausmädchen und Sexsklavinnen

Von den während des Krieges entführten Kindern sind amnesty zufolge rund 40 Prozent Mädchen, von denen die Mehrzahl nicht wieder aufgetaucht ist. Sie würden vor allem als Spioninnen, Hausmädchen und Sexsklavinnen eingesetzt, sagte der Mitarbeiter der Hilfsorganisation Save the Children, Martin Muhindi, der Nachrichtenagentur Reuters. "Sie bereiten den Soldaten ein angenehmes Leben, auf welche Weise auch immer. Missbrauch ist allgegenwärtig."

Zwangsheirat

In den von Hilfsorganisationen eingerichteten Zentren für ehemalige KindersoldatInnen berichten die Mädchen von ihrem Schicksal. Oftmals wurden sie dazu gezwungen, einen Soldaten zu heiraten - wie Irene, die 15 Jahre alt war, als ein Soldat sie zur Frau nahm. Nach einer Totgeburt sei sie zum zweiten Mal schwanger gewesen, als sich ihr die Gelegenheit bot, ins Dorf ihrer Großmutter zu fliehen, erzählte sie in Goma der Nachrichtenagentur Reuters. Die Freiheit nützte ihr jedoch nur wenig - ein von den Hilfsorganisationen oftmals angeprangertes gesellschaftliches Stigma der entführten Kinder wurde Irene zum Verhängnis. "Meine Großmutter jagte mich von ihrem Haus fort, weil ich dir Frau eines Soldaten war", sagte sie. (APA/Reuters)

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