Iran: Demonstranten griffen dänische Botschaft an

13. Oktober 2006, 13:40
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Diplomatische Vertretung mit Brandbomben angegriffen - Proteste wegen der Veröffentlichung eines Videos mit Mohammed-Karikaturen

Teheran/Kopenhagen – Nach der Verunglimpfung des Propheten Mohammed durch dänische Rechtspopulisten haben Demonstranten Dienstag Abend die dänische Botschaft in Teheran mit Brandsätzen angegriffen. 20 bis 50 Menschen hätten am Mittwoch etwa eine halbe Stunde lang vor der dänischen Botschaft in Teheran demonstriert, sagte der dänische Botschafter im Iran, Sören Haslund, gegenüber der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau.

Die Demonstranten hätten Molotowcocktails über die Mauer geworfen, die das Botschaftsgelände umgibt, und "Nieder mit den Zionisten" gerufen. Die Brandsätze hätten sich auf der Rasenfläche vor der Botschaft entzündet. Iranische Sicherheitskräfte hätten das Feuer schnell gelöscht, erklärte der Diplomat weiter. Am Gebäude selbst entstanden keine Schäden. Mit Angriffen wurde nach der Veröffentlichung des Videos, auf dem dänische Rechtspopulisten den Propheten Mohammed unter anderem als Bier trinkendes Kamel und als betrunkenen Terroristen gezeichnet hatten, laut Botschafter gerechnet.

Angesichts der Ausschreitungen erklärte der dänische Außenminister Per Stig Möller, die kommenden Freitagspredigten in den Moscheen der islamischen Welt seien ein Lackmustest, ob die religiösen Führer den veröffentlichten Film ausnutzen, um neue Proteste gegen Dänemark anzufachen. Der einflussreiche arabische Fernsehprediger von Al Jazeera, Yussuf al-Karadawi, hat alle Muslime dazu aufgerufen, den wirtschaftlichen und kulturellen Boykott gegen Dänemark wieder aufzunehmen. Während des Karikaturenstreits im vergangenen Winter waren in mehreren muslimischen Länder dänische Waren boykottiert worden, dänische Botschaften wurden angegriffen, dänische Flaggen verbrannt.

Unterdessen hat die indo-nesische Regierung die Mohammed-Zeichnungen aufs Schärfste verurteilt. Indonesien könne aber als Land, in dem weltweit die meisten Muslime leben, religiöse Beleidigungen nicht akzeptieren (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2006)

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