Vertreter Nordkoreas: Sanktionen wären Kriegserklärung

13. Oktober 2006, 16:21
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"Je mehr Druck sie ausüben, desto stärker wird unsere Antwort ausfallen" - Chinesisches Embargo würde Nordkorea treffen

Seoul - Nordkorea würde nach Darstellung eines offiziellen Vertreters harte internationale Sanktionen wegen des Atomtests als kriegerischen Akt werten. "Wenn umfassende Sanktionen verhängt werden, würden wir dies als Kriegserklärung ansehen", sagte ein nicht näher genannter Vertreter Nordkoreas in Peking der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap am Mittwoch.

"Je mehr Druck sie auf uns ausüben, desto stärker wird unsere Antwort ausfallen." Es hänge von der politischen und diplomatischen Einschätzung der Lage ab, ob es weitere Atomtests geben werde, fügte der Vertreter hinzu.

Die ständigen Vertreter im UN-Sicherheitsrat berieten am Dienstag über von den USA und Japan vorgeschlagene Sanktionen gegen Nordkorea. Das Land hatte am Montag erklärt, ungeachtet internationalen Widerstands einen Atomtest unternommen zu haben. Die USA und Japan verlangen von Nordkorea sein Atomprogramm aufzugeben.

Nordkorea seit Jahrzehnten an Sanktionen gewöhnt

Das international isolierte Nordkorea ist seit langem an Sanktionen gewöhnt. Bereits zu Beginn des Korea-Kriegs im Juni 1950 verhängten die USA ein umfassendes Wirtschaftsembargo gegen den kommunistischen Staat, dessen Truppen damals in Südkorea einmarschiert waren. In den 90er Jahren wurden diese Strafmaßnahmen leicht gelockert, um Nordkorea zum Verzicht auf sein Atomprogramm zu bewegen. Der Warenaustausch wurde erleichtert, wenngleich Waffen und waffentaugliches Material weiter auf der schwarzen Liste stehen.

Richtig in Schwung gekommen ist der Handel zwischen Nordkorea und den USA aber nicht. Die Wirtschaftskontakte seien "minimal", heißt es im Außenministerium in Washington. Zudem leisten die USA abgesehen von humanitärer Hilfe keinerlei wirtschaftliche Unterstützung. Das stellt die USA vor ein Problem: Da die Kontakte ohnehin nahe am Nullpunkt sind, hat Washington wenig Spielraum, Nordkorea mit schärferen Wirtschaftssanktionen wirklich wehzutun.

Chinesische Sanktionen

Anders sähe es aus, sollte sich China möglichen Sanktionen des UNO-Sicherheitsrats anschließen. China ist der wichtigste Wirtschaftspartner für das verarmte Nordkorea. Der jährliche Warenaustausch hat nach Angaben aus Peking einen Wert von etwa zwei Milliarden Dollar (1,60 Mrd. Euro). Experten gehen davon aus, dass China rund 70 Prozent der Energie- und Lebensmittelversorgung von Nordkorea sicherstellt. Die Regierung in Peking hatte in ungewohnter Deutlichkeit ihren Ärger über den mutmaßlichen nordkoreanischen Atomwaffentest geäußert. Ein chinesisches Embargo würde Nordkorea schwer treffen.

Beobachter halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass China weit reichende Sanktionen zulassen würde, die letztlich einen Kollaps der Führung in Nordkorea zur Folge hätten. Ein Chaos-Staat mit Millionen von Armutsflüchtlingen an seiner Grenze könnte Peking nicht akzeptieren. Zudem existiert die Befürchtung, dass die schwer durchschaubare Führung in Pjöngjang bei einem drohenden Zusammenbruch ihrer Herrschaft aus Verzweiflung auf ihr Waffenarsenal zurückgreifen könnte - ein Arsenal, in dem sich möglicherweise auch eine Atombombe befindet. (APA/Reuters)

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    Nordkoreanischer Soldat auf Patroille.

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