Trau, schau, wer verschlüsselt!

17. Oktober 2006, 19:18
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Um das Vertrauen in die Informationstechnologie zu stärken, werden zwei Millionen Euro Förderung locker gemacht

Wer das Alter eines Autos früher frisieren wollte, mussten sich ganze Nächte um die Ohren schlagen. Mit dem Rückwärtsdrehen der Fahrzeugräder konnte der Kilometerstand am Tacho manipuliert werden. Mit dem Einbau von Mikrochips ins Auto, die nun die Kilometer zählen, funktioniert das nicht mehr ganz so mechanisch. Heute programmieren Autoverkäufer, die es nicht ehrlich meinen, den Kilometerstand neu.

Eines von vielen Beispielen: Informationen können leicht verändert werden, indem man einen Chip neu programmiert. Mikrochips befinden sich heute in den alltäglichsten Gegenständen. Und wo man früher einfach eine Unterschrift unter ein Dokument setzte, um zu beweisen, dass es echt war, stößt man in der virtuellen Informationswelt an Grenzen. Digitale Signaturen sollen daher die Echtheit von Informationen beweisen, egal, ob es um eine E-Mail geht oder eben um den Kilometerstand in einem Auto. Diese Signaturen werden mit mathematischen Verfahren berechnet, und gelten, theoretisch zumindest, als unknackbar. Je besser der zugrunde liegende Algorithmus, desto höher die Sicherheit.

Mit Vincent Rijmen hat Österreich einen Spitzenforscher ins Land geholt, der dabei helfen soll, Technik vertrauenswürdiger zu machen. Der Kryptograf aus Belgien entwickelte vor einigen Jahren den Advanced Encryption Standard (AES), einen der modernsten Verschlüsselungsalgorithmen.

Funkende Geldscheine

Er forscht nun an der Technischen Universität Graz und sieht überall Bedarf für Kryptografie. Rijmen erzählt von der Idee der Europäischen Zentralbank, die Geldscheine künftig durch RFID-Chips zu schützen. Das sind kleine Mikrochips, die per Funk die Seriennummer aussenden könnten, wenn sie dazu angeregt werden - fälschungssicher. Das Problem: Dadurch könnte jeder auf der Straße seine Mitmenschen scannen und schauen, ob sie Geld dabei haben - indem er einfach unbemerkt diese Chips zum Senden anregt. Irgendwie müsste man also den Schein dazu bringen, auch zu erkennen, ob die Abfrage berechtigt ist - und spätestens da kommt wieder die Kryptografie ins Spiel und, erraten: die digitale Signatur.

"Das Berufsfeld der Kryptografen ist überschaubar", meint Rijmen zur Situation in Österreich, "schon mit einer Gruppe von vierzig oder fünfzig Leuten kann ein Land weltweit ganz vorne mitspielen." Geht es nach der Bundesregierung, soll Österreich in diesem Nischenmarkt eine führende Rolle spielen. Schon heute trägt die IT-Branche in Österreich beinahe gleich viel zur Wirtschaft bei, wie die Tourismusbranche, mit einem Umsatz von rund 15 Milliarden Euro jährlich. Die Regierung hofft auf steigende Bedeutung und will Österreich innerhalb des kommenden Jahrzehnts bei der Nutzung von Informationstechnologien unter den besten zehn Ländern platzieren, erzählt Christian Rupp, IT-Experte der Bundesregierung und Sprecher der Plattform "Digitales Österreich", und fügt hinzu: "Sicherheit hat in der Informationswelt höchste Priorität."

Im IT-Förderprogramm FIT-IT gibt es deshalb eine neue Förderlinie "Trust in IT Systems" (offen noch bis 2o. 11.). Etwa zwei Millionen Euro an Forschungsmitteln sollen ausgeschüttet werden, erklärt Georg Niklfeld, der bei der Forschungsförderungsgesellschaft FFG zuständig ist für diese Programme. Das Ziel ist jedenfalls ehrgeizig: "Wir sehen gute Chancen, dass Österreich die bestehenden Potenziale erweitert und künftig international eine Spitzenposition einnimmt." (jel/DER STANDARD, Printausgabe, 11. Oktober 2006)

  • Das Vertrauen der Konsumenten in Verschlüsselungen ist nicht überragend. Die Förderlinie "Trust in IT Systems" soll Abhilfe schaffen.
    foto: der standard

    Das Vertrauen der Konsumenten in Verschlüsselungen ist nicht überragend. Die Förderlinie "Trust in IT Systems" soll Abhilfe schaffen.

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