Grasser in VP-Verhandlungsteam

13. Oktober 2006, 16:22
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Warmlaufen für Verhandlungsmarathon: ÖVP nominiert Verhandlungsteam, SPÖ sammelt Sympathien für Große Koalition

Die SPÖ gibt weiter das Tempo vor: Mit einer Art „Rede zur Lage der Nation“ will Alfred Gusenbauer den Verhandlungsreigen einläuten. Auch die ÖVP sucht Eigenprofilierung: in einer „Perspektivengruppe“.

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Wien – In der SPÖ überlässt man derzeit nichts dem Zufall. Schon gar nicht den Start _der Koalitionsverhandlungen. Mittwochvormittag um zehn Uhr wird Alfred Gusenbauer vom Bundespräsidenten den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten. Zwei Stunden später steht Gusenbauer dann im Budgetsaal des Parlaments und wird vor 200 geladenen „Entscheidungsträgern“ des Landes eine Rede halten.

Thema offiziell: „Österreich 2010 – Wege in eine erfolgreiche Zukunft“. Thema inoffiziell: Werben um eine große Koalition – auf dass es der ÖVP möglichst schwer gemacht werde, sich den Regierungsverhandlungen zu verwehren.

Geht es nach der SPÖ, könnte schon an Donnerstag oder Freitag die erste Verhandlungsrunde stattfinden. Die ÖVP steht dafür nun auch personell bereit: Der Bundesparteivorstand nominierte am Dienstagabend sein neunköpfiges Verhandlungsteam – mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

Auch Plassnik und Rauch-Kallat verhandeln mit

Neben ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel und Klubobmann Wilhelm Molterer gehören die Minister Ursula Plassnik und Maria Rauch-Kallat, die Landesparteichefs Erwin Pröll (NÖ), Josef Pühringer (OÖ) und Hermann Schützenhöfer (Steiermark) sowie Gewerkschafter Fritz Neugebauer dazu. Die Nominierung Grassers wird die SPÖ wohl als Provokation auffassen. „Ich glaube nicht, dass ausgerechnet die SPÖ das als rotes Tuch empfindet“, feixte Noch-Kanzler Schüssel.

Schwarze Perspektiven

Parteiintern gestärkt wurde „Lebensminister“ Josef Pröll, der als möglicher Schüssel-Nachfolger gilt. Er soll ab sofort eine „Perspektivengruppe“ leiten, die sich parallel zu den Koalitionsverhandlungen mit der „Schärfung der eigenen Wirklichkeit“ (Schüssel) beschäftigen soll – sprich: mit einer Art Programm für eine ÖVP nach Schüssel. Molterer: „Der Auftrag ist grenzenlos.“

Am Dienstagvormittag machten auch die Sozialpartner Bundespräsident Heinz Fischer ihre Aufwartung – und da wurde „große Koalition“ ganz groß geschrieben, auch wenn es keine keine Zusammenarbeit „ohne Wenn und Aber“ sein solle, wie betont wurde. VP-Innenministerin Liese Prokop meinte im Kurier, alles andere als eine solche wäre „Wahnsinn“. Eine Aussage, die Schüssel nicht kommentieren wollte. (stui, tó, völ, DER STANDARD, Printausgabe 11.10.2006)

  • Gehende und kommende Machtfaktoren in der ÖVP: Perspektiven-Sucher Pröll, Verhandlungsführer Schüssel.
    foto: fischer

    Gehende und kommende Machtfaktoren in der ÖVP: Perspektiven-Sucher Pröll, Verhandlungsführer Schüssel.

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    Grasser ist Teil des VP-Verhandlungsteams.

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