Sprachtrainer für die Kindergärten

11. Oktober 2006, 20:14
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Oberösterreich geht neue Wege, um die Deutschkenntnisse angehender Schüler mit Sprachdefiziten zu verbessern

Die Sprachtickets von Ministerin Gehrer sind zu wenig. Um die Deutschkenntnisse angehender Schüler mit Sprachdefiziten zu verbessern, geht Oberösterreich jetzt neue Wege.


Linz - Nicht optimal, verbesserungswürdig - so beurteilen Fachleute die Sprachtickets. Als erstes Bundesland kündigte Oberösterreich an, nach einer "effizienten" Form der Sprachförderung zu suchen. Ab 7. Jänner werden so genannte Stützkräfte in die Kindergärten kommen. Der Schulverein der Kreuzschwestern hat das entsprechende Modell zur Förderung der Deutschkenntnisse entwickelt.

Mit vorigem Schuljahr hat Noch-Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer die Sprachtickets im Wert von 80 Euro eingeführt. Kinder (überwiegend jene mit nicht deutscher Erstsprache), die bei der Schuleinschreibung Sprachlücken aufwiesen, erhielten besagtes Ticket. Einzulösen waren die Gutscheine für 120 Unterrichtseinheiten in den Kindergärten. Diese Zusatzaufgaben waren von den Kindergärtnerinnen kaum zu bewältigen, so die Evaluierung des Bildungsressorts des Landes Oberösterreich nach dem Einführungsjahr.

Deutlichere Worte fand noch Josef Kobler, Amtsleiter der Kindertagesbetreuung der Stadt Linz. Er sprach von "Halbherzigkeit", mit der der Bund Sprachförderung betreibe. So formuliere Wien zwar einen gesetzlichen Auftrag, ohne aber für die Umsetzung zu sorgen. Und dies führte in Oberösterreich zu besagten Problemen.

ÖVP-Landesrat Viktor Sigl erteilte daraufhin der Fachabteilung den Auftrag, ein Sprachförderungsmodell zu suchen. Fündig wurde das Land beim Schulverein der Kreuzschwestern. Geschäftsführer Markus Baumgartner erklärte das Projekt: Arbeitslose Junglehrer werden ab 2007 als Stützkräfte in den Kindergärten die Sprachförderung übernehmen. Finanziert wird diese aus mehreren Töpfen. Zum einen mit den besagten 80-Euro-Tickets sowie vom AMS im Rahmen der Starterjobs. Das Arbeitsmarktservice unterstütze Arbeitslose, die schon länger als drei Monate ohne Job sind und noch unter 27 Jahre alt sind, monatlich mit rund 700 Euro, erklärt Baumgartner. Das Land schießt zudem noch Geld hinzu und von den Gemeinden wird monatlich ein Eigenanteil von zehn Euro pro Kind eingehoben. Für Sigl ist das "vertretbar".

15 Stützkräfte

Wie viel Stützkräfte es geben wird, hängt von der Anzahl der vergebenen Sprachtickets ab. Als Anhaltspunkt hat Baumgartner die Anzahl des Vorjahres (1543) genommen. Daraus errechne sich ein Bedarf von rund 15 Sprachtrainern. Diese werden allen Kindergärten zur Verfügung gestellt. In einer Einrichtung ab acht Kindern mit Sprachtickets kommt die Stützkraft zweimal in der Woche für drei Stunden, ab zwölf Kindern vier Wochenstunden und ab 20 Kindern ebenfalls vier Stunden, allerdings an drei Tagen. Das Interesse an den Sprachlehrerjobs ist vorhanden. Beim Verein , der sie auch anstellen wird, haben sich schon 13 Anwärter vorgestellt. (Kerstin Scheller/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.10. 2006)

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