Gebäude ohne Birkenstock-Charme

31. Jänner 2007, 14:19
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Fünf Preisträger beim ersten Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit

Wien - Niedrigenergie, Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind nicht unbedingt anspornende Begriffe für eine kreative Architektur. In Ermangelung aktueller Bilder denkt man dabei unweigerlich an die Einfamilienhäuser der 80er-Jahre, die den unverwechselbaren Charme von Birkenstock-Schlapfen in die Landschaft hauchten. Doch mittlerweile kann sich Ressourcen schonende und klimaschützende Architektur ungeahnter Schönheit und Eleganz rühmen - nun wurde erstmals der Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit vom Umweltministerium vergeben.

"Unser gesamter Lebensstil hat großen Einfluss auf das Klima", erklärte Umweltminister Josef Pröll, "um es zu schützen, müssen wir den Ausstoß an klimaschädlichen Gasen massiv reduzieren." Ein hohes Reduktionspotenzial könne im Bereich des Bauens und Wohnens erzielt werden. Insgesamt wurden knapp 60 Projekte eingereicht, in einer Jury unter Vorsitz von Architekt Roland Gnaiger wurden schließlich fünf prämiert:

  • Innovation Forschungsgebäude S-House in Böheimkirchen (Architekten Scheicher).

  • Neubau Hier kamen zwei öffentliche Gebäude in Vorarlberg zum Zug: das Gemeindezentrum Ludesch von Hermann Kaufmann und eine Hauptschule in der Gemeinde Klaus-Weiler-Fraxern (Architekten Dietrich Untertrifaller). Beide erzielen Energiekennzahlen im Bereich der Passivhausqualität.

  • Modernisierung Auch hier gab es mit einem Produktions- und Verwaltungshaus in Wolfurt (Architekt Gerhard Zweier, abermals Vorarlberg) sowie einer rigoros vorgenommene Sanierung an einem 60er-Jahre-Wohnhaus in Linz (Arch+More und Architektin Ingrid Domenig, Meisinger) zwei Sieger.

    Letzteres ist ein Paradebeispiel für das überholte Bild nachhaltiger Architektur. Die Fassade in Linz besteht aus einem Hightech-Produkt, in dem Kartonwaben zwischen zwei Glasscheiben für die nötige Wärmedämmung sorgen. "Es ist eine reine Freude", freute sich Juryvorsitzender Roland Gnaiger hörbar. "Intelligente Häuser, selbstregulierend, vernetzt, mehr Energie produzierend als verbrauchend - und auch noch schön!" (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.10.2006)

    • Innovationspreis: Das S-House in Böheimkirchen.
      foto: s-house

      Innovationspreis: Das S-House in Böheimkirchen.

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