Wiens Schulen bisher 2400-mal als Tatort

31. Oktober 2006, 09:12
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Größte Probleme bei Umschulungskursen

Wien - Die Gefahr, rund um ein Einkaufszentrum beraubt oder verprügelt zu werden, ist für Kinder und Jugendliche größer, als in der Schule zum Verbrechensopfer zu werden. Zumindest, wenn man den Analysen der Wiener Kriminalpolizei glaubt. Eine Ausnahme sind allerdings Umschulungs- oder Qualifizierungskurse des AMS: Dort gibt es Probleme, erläuterten Experten am Dienstag beim Symposium "gewalttätig" des Pädagogischen Instituts der Stadt Wien.

Stagnation

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2006 wurden an Wiener Schulen 2400 Delikte registriert, davon 1600 Diebstähle oder Spindeinbrüche. Knapp 200 Körperverletzungen wurden bis September verzeichnet, dazu kommen noch elf schwere Körperverletzungen. Dies entspricht ziemlich genau den Vorjahreszahlen, insgesamt sei die Kriminalität an Wiener Schulen stagnierend, rechnete Robert Klug von der jüngst gegründeten Einsatzgruppe zur Bekämpfung von Jugendkriminalität vor.

"Zweckgemeinschaften"

Die meisten Delikte mit Tätern unter 21 Jahren ereignen sich laut "Dichteanalyse" der Polizei dagegen bei den großen Einkaufszentren, auf Geschäftsstraßen und bei den Bahnhöfen. "Klassische", nach ethnischen Gruppen getrennte Jugendbanden gibt es laut Klug nicht mehr. Die derzeitigen Zusammenschlüsse seien eher "Zweckgemeinschaften" in dem Sinne, dass man in der Gruppe eben stärker sei - ein Problem seien die so verübten Handy-Raube.

Die meisten Probleme mit Gewalt an Schulen gibt es für Harald Geyer vom Kriminalpolizeilichen Beratungsdienst bei Umschulungskursen und anderen "Jugendarbeitslosigkeits-Verhinderungsmaßnahmen" des AMS. "Dort geht's am meisten zu", niemand fühle sich für die Jugendlichen zuständig, außerdem seien "viele ungelernte Kräfte" als Trainer tätig. (APA, moe/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.10. 2006)

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