Roddick: "Ich kann nicht singen"

10. Oktober 2006, 18:47
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Star der BA-CA-Trophy, fühlt sich nicht als Popstar, sondern wie einer, der "nur Tennis spielt". Und erzählte aus seinem Leben

Wien - Da soll noch einer behaupten, dass Sportjournalisten feige Schweine sind. Andy Roddick, und der ist nicht irgendwer, wurde jedenfalls vom Gegenteil überzeugt. Doch dazu (viel) später. Roddick saß am Dienstag, es war High Noon, im Pressezentrum der Wiener Stadthalle, um ungefähr 20 Minuten lang zu plaudern. Über sich, das Tennis, die konkreten Erwartungen bei der BA-CA Trophy und über das, was ein 24-jähriger Amerikaner vom Rest seines Lebens noch erwartet. "Sportlich den Sieg in Wimbledon." Der Bursche hinterließ einen smarten, nahezu schelmischen Eindruck. "Ob ich mich als Popstar fühle? Nein, ich kann weder singen noch tanzen. Ich spiele nur Tennis, das aber nicht schlecht."

In Wien "gibt es nur schwierige Matches". Heute, Mittwoch, eröffnet Roddick seine Trophy gegen den Argentinier Jose Acasuso. "Mein Plan? Der Mittwoch, dann der Donnerstag, der Freitag, der Samstag und der Sonntag. Ich nehme an Turnieren teil, um sie zu gewinnen." 21-mal hat das schon geklappt, im Jahre 2003 etwa bei den US Open in New York und in St Pölten (erster Titel in Europa!), also quer durch den Gemüsegarten.

Roddick erzählte über seinen relativ neuen Trainer Jimmy Connors, der zwar nicht da ist, "der mir aber in technischen und mentalen Belangen hilft. Natürlich habe auch ich immer wieder Zweifel".

Roger Federer sei derzeit nicht zu fassen, "die anderen arbeiten, weil sie glauben, dass er zu packen ist. Wie das gehen soll? Fragen Sie nicht mich, ich habe eine 1:11-Bilanz". Man lerne "aus Niederlagen mehr als aus Siegen. Speziell im Daviscup. Da bist du für etwas Größeres tätig".

Er, Roddick, sei ein durchaus politischer Mensch, informiere sich täglich über den Zustand dieser Welt. "Aber es macht keinen Sinn, wenn ich mich zu Themen wie Nordkorea äußere. Das ist privat, dazu bin ich nicht smart genug."

Die Innenstadt hat er sich angeschaut, "eine tolle Kultur. Bist du in den USA mit dem Auto zwei Stunden unterwegs, bist du immer noch in der gleichen Stadt. In Europa gibt es mehrere Welten".

Ums Tennis, dies ein abrupter Themenwechsel, müsse man sich kaum sorgen. Er stehe Änderungen offen gegenüber, "sofern sie gerecht sind. Dass man während der Partie mit dem Trainer reden darf, ist unfair. Denn viele können sich keinen leisten". Dass künftig ab und zu in Gruppen (Round-Robin) gespielt wird, damit kann sich Roddick anfreunden: "Einen Tiger Woods sieht man ja auch an vier Tagen. Da geht es ums Geschäft."

Und nun zum Mut einer gesamten Branche: Andy, sorry, äh, aber sind Sie mit Paris Hilton (der fiese Fragesteller denkt sich mit der entsetzlichen Paris Hilton) liiert? Andy (verdreht die Augen): "Nein, wir sind definitiv kein Paar. Das gilt auch für Maria Scharapowa." Und warum sind Sie kein Paar? Andy (lacht): "Weil Frau Hilton nicht genug Geld für mich hat." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 11.10. 2006)

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