Saddam-Prozess: Zeugen berichten von Vergewaltigungen

13. Oktober 2006, 17:25
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Ex-Staatschef erneut des Saales verwiesen, weil er Staatsanwälte "Zuhälter" und "Verräter" nannte

Bagdad - Im Prozess gegen den irakischen Ex-Staatschef Saddam Hussein wegen Völkermords an den irakischen Kurden haben Zeugen am Dienstag von brutalen Vergewaltigungen in Gefangenenlagern berichtet. Ein Wächter habe die weiblichen Gefangenen regelmäßig gegen ihren Willen berührt, sagte eine Augenzeugin vor Gericht, die gemeinsam mit ihrer Familie im April 1988 von irakischen Sicherheitskräften festgenommen worden war. Der Wächter habe eine Kurdin vor den Augen ihrer Familie vergewaltigt und anschließend erschossen.

Opfer beging Selbstmord

Ein anderer Zeuge berichtete, eine Frau sei immer wieder vergewaltigt worden und habe sich deshalb das Leben genommen. Einige Häftlinge hätten daraufhin den Täter angegriffen und seien dafür misshandelt worden. Mehrere Zeugen sagten, die Sicherheitskräfte hätten den Kurden im Lager vorgeworfen, für den Iran zu spionieren.

In dem Prozess muss sich Saddam Hussein zusammen mit sechs Gefolgsleuten wegen Völkermords an nordirakischen Kurden in den Jahren 1987 und 1988 verantworten. Bei der "Operation Anfal" wurden mehr als 180.000 Kurden getötet. Dem ehemaligen Machthaber droht hierfür die Todesstrafe. Nach einem turbulenten Prozesstag, in dessen Verlauf Saddam Hussein und ein Mitangeklagter des Saals verwiesen wurden, wurde die Fortsetzung der Verhandlung auf Mittwoch vertagt.

Saalverweis

Saddam wurde am Dienstag ein weiteres Mal des Saales verwiesen. Nach einem Wortwechsel Saddams mit dem Vorsitzenden Richter Mohammed al-Ureybi ließ dieser auch die anderen sechs Angeklagten aus dem Saal bringen. In dem Verfahren geht es um die Klärung der Schuld für die Ermordung von über 100.000 Kurden im Nordirak Ende der 80er Jahre. Am Dienstag hörte das Gericht weitere kurdische Zeugen an, die über die gewaltsame Vertreibung aus ihren Dörfern und die darauf folgende Ansiedlung von arabischstämmigen Irakern berichteten.

Richter Ureybi stellte Saddam das Mikrofon ab und ordnete den Gerichtsverweis an, als der Angeklagte nach der Zeugenaussage der ersten Kurden das Wort ergreifen wollte. Einige Mitangeklagte protestierten daraufhin und schrien den Richter an. Ein Angeklagter wurde des Gerichts verwiesen, weil er die Staatsanwälte "Zuhälter" und "Verräter" genannt hatte. Während er hinausgeführt wurde, schlug er einen der Wächter. (APA)

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