"Es gibt genug Geld für Handarbeit"

25. Oktober 2006, 16:21
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Der Brillendesigner Peter Kozich vertraut mit seinem Unternehmen Schau Schau auf Nischen

Wien – "China produziert eine Brille um zwei Dollar. Es muss doch gelingen, mit einer Kollektion nach Peking zu fahren und ein Stück um 200 Dollar zu verkaufen", sagt Brillendesigner Peter Kozich (62). Unter einer Milliarde Chinesen gebe es sicher 100.000, "denen der Preis wurscht ist". "Man sollte es probieren."

Kozich ist seit knapp 30 Jahren im Brillengeschäft, Herr über die elitäre Marke Schau Schau und Einzelkämpfer aus Leidenschaft.

Ende der 70er-Jahre ging er mit einem Koffer voller bunter Brillen nach Amerika. Im Gepäck ein klingender Name und Geld für einen kleinen Stand im Hotel Hilton. Vier Jahre später belieferte sein Unternehmen Schau Schau die USA containerweise mit designten Brillen, produziert in einer steirischen Lohnfertigung.

Starke Konkurrenz

Er hatte die Riesenchance zu expandieren, sagt er. Sie war aber mit massiven Investitionen verbunden – und heute sei er heilfroh, es nicht getan zu haben. "Wir wären wohl bald weg vom Fenster gewesen." Denn internationale Modelabels besetzten den Markt, und Chinas Billigproduzenten holten sich den Rest.

Schau Schau sattelte mit einem Dutzend Mitarbeitern von Masse auf Maßarbeit um. Der Betrieb fertigt in einem ehemaligen Perchtoldsdorfer Kloster monatlich bis zu 1000 Brillen aus Horn, geriebener Baumwolle und selbst entwickelten Materialien. In Handarbeit, mit einem Bruchteil des früheren Umsatzes, doch besserem Gewinn. Kozich: "Es gibt genug Bedarf und Geld für Handarbeit, unabhängig von der Konjunkturkurve."

70 Prozent Export

Die Fotogalerie der Wiener Filiale zeigt Kunden von Elton John und José Carreras bis zu Niki Lauda, André Heller und dem saudischen Ölminister Ali Al-Naimi. Bis zu 70 Prozent der Brillen gehen in den Export. Geliefert wird von Deutschland über Skandinavien bis nach Japan und in die USA.

Kozich: "Entweder man baut 100 Filialen und mehr, oder man arbeitet wie wir. Dazwischen gibt es nichts." Er wolle einzigartig sein, sagt er, und Trends vorgeben. Alles Finanzielle überlasse er seiner Frau. "Sie ist die Perle des Betriebs."

Dass seine Brillen mitunter Modell für Ware aus China stehen, nimmt er mit Humor. Chinesen wollten bei Messen immer wieder Einzelstücke kaufen – später finde Kozich sein Design in fremden Kollektionen wieder. "Wir fassen es als Kompliment auf."

Heikler ist das Kapitel Nachfolge. Begeisterung und Gespür fürs Design lassen sich nicht vererben, sagt Kozich. Er denke daher darüber nach, seine Marke Schau Schau irgendwann zu verkaufen. Um das zu schaffen, müsse er sich aber komplett aus der Branche zurückziehen. Das Aufhören falle sonst zu schwer. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.10.2006)

  • Peter Kozich sattelte von der Brillen-Massenproduktion auf Maßarbeit um.
    foto: schau schau brillen

    Peter Kozich sattelte von der Brillen-Massenproduktion auf Maßarbeit um.

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