Ölpreis bleibt unter 60 Dollar

12. Oktober 2006, 08:22
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Wärmerer Winter in den USA erwartet - Folgen von "El Nino" dürften weniger stark ausfallen als 1997/98

Wien/Singapur - Die internationalen Ölmärkte zeigen sich von der geplanten Kürzung der Ölproduktion in der OPEC weiter unbeeindruckt. Auch am Mittwoch sind die internationalen Ölpreise noch deutlicher unter 60 Dollar gesunken . Ein Fass (159 Liter) der US-Leichtöl (zur Lieferung im November) kostete im asiatischen Handel 58,34 Dollar und damit 18 Cent weniger als zu Handelsschluss am Vortag. In London startete Öl der Nordseesorte Brent mit 59,12 Euro in den Handel, 22 Cent unter dem Vortagesschluss.

Die Internationale Energieagentur IEA veröffentlicht heute, Mittwoch, ihren Monatsbericht zum Weltölmarkt. Angesichts des Preisverfalls um 40 Prozent seit Mitte Juli überlegen derzeit mehrere OPEC-Staaten, ihre Förderung um eine Million Fass zu kürzen. Der kuwaitische Energieminister Ali al-Jarrah al-Sabah bekräftigte Angang dieser Woche, dass sein Land bereit sei, seine Produktion zu kürzen. Im Gespräch sei eine Kürzung der Ölproduktion in den elf OPEC-Staaten in Höhe von 700.000 bis eine Million Fass pro Tag.

Offizielle Kürzung kaum umgesetzt

Analysten erklärten jedoch, die von einigen OPEC-Mitgliedern geforderte offizielle Kürzung der Förderquote finde offenbar nicht die Unterstützung Saudi-Arabiens und werde daher wohl kaum umgesetzt. Schon jetzt produzieren die Ölstaaten mehr als offiziell vereinbart. Der Markt sei skeptisch, dass tatsächlich alle OPEC-Mitglieder bereit seien, freiwillig weniger Öl zu verkaufen. "Die endgültigen Details sind noch nicht vereinbart, oder zumindest noch nicht offiziell verkündet", sagte Calyon-Experte Mike Wittner.

Entspannend auf den Ölmarkt wirken auch die Wetterprognosen für den heurigen Winter. Schon im vergangenen Jahr hatten die USA den fünftmildesten Winter aller Zeiten erlebt. Auch heuer dürfte der Winter in den USA wärmer ausfallen als erwartet, erklärte das nationale Klimainstitut NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration). Schuld daran ist das heuer wieder auftretende Wetterphänomen "El Nino" mit seinen wärmeren Strömungen im Atlantik. Diese würden die kalte Luft in Kanada halten, erklärte die US-Klimaforschungsbehörde.

Weitere Wirbelstürme

Außerdem wird El Nino den USA voraussichtlich auch weitere Wirbelstürme im heurigen Jahr ersparen. El Nino sorgt normalerweise für eine Abschwächung der Hurrikan-Aktivitäten im Atlantik. Tatsächlich ist die Hurrikan-Saison bisher heuer deutlich schwächer ausgefallen als vorhergesagt. So hat es im Atlantik erst sieben Tropenstürme und drei Hurrikane gegeben. Erwartet wurde ursprünglich, dass es nach dem Rekord 2005 mit 28 Tropenstürmen und 15 Hurrikanen 2006 erneut ein überdurchschnittliches Jahr gebe.

Umgekehrt sorgt "El Nino" normalerweise vor allem in Asien auch für Dürren. Heuer dürften diese Auswirkungen aber nicht so gravierend ausfallen wie zuletzt 1997/98. "Wahrscheinlich wird es ein schwacher "El Nino". Mit Auswirkungen rechnen wir nur in Zentral- und Ost-Indonesien", sagte Ati Wasiati vom indonesischen Landwirtschaftsministerium. 1997/98 hatten Trockenheit und Waldbrände in Asien über 2.000 Menschenleben gekostet und einen Schaden von über 33 Mrd. Dollar (26,3 Mrd. Euro) verursacht. (APA/AP/dpa/Reuters)

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