Atomtests erzeugen andere Erdstöße als Erdbeben

17. Oktober 2006, 14:27
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Unterscheidung zwischen Erschütterungen durch konventionelle und atomare Explosion dagegen schwierig

Wien - Die Unterscheidung, ob eine heftige Erschütterung in einem bestimmten Gebiet von einer Bombe oder einem Erdbeben verursacht wurde, ist für Seismologen mit ihrem weltweiten Netz an Messgeräten für Erschütterungen, so genannten Seismographen, relativ leicht. Bei Erdbeben gibt es stets so genannte Sekundärwellen, erklärte dazu Leiter der Erdbebenforschung an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien, Wolfgang Lenhardt gegenüber der APA.

Diese auch Scher- oder Querwellen genannten Erschütterungen entstehen durch bei Erdbeben stets auftretende Verschiebungen der Erdkruste. Im Vergleich mit den Primärwellen, dem eigentlichen Beben, breiten sich die Scherwellen langsam aus und laufen über die Oberfläche unseres Planeten. Einfach ist die Auswertung der Daten für die Seismologen dennoch nicht. Das jeweilige Erschütterungsmuster muss aus einem Wust von ständigen kleinen und kleinsten natürlichen Beben herausgefiltert werden. Je schwächer ein Ereignis, desto unklarer wird das Bild.

Von den Messgeräten in Österreich ist die Erschütterung des vermuteten Atomtests in Nordkorea Montag früh jedenfalls nicht bemerkt worden, berichtete Lenhardt. Dazu sei die Explosion zu schwach und zu weit weg gewesen. Das Ereignis geht quasi im Hintergrundrauschen unter.

Konventionell oder atomar: Unterscheidung schwierig

Die Unterscheidung, ob eine Explosion von einer Atombombe oder einem konventionellen Sprengkörper stammt, dürfte dagegen schwieriger werden. Mittels Seismographen sei dies praktisch nicht möglich, so der Erdbebenexperte. Hier sind vielmehr Isotopenforscher gefragt, welche Radioaktivität feststellen und dabei auch den Mix genau analysieren können, aus welchen Quellen die Radioaktivität stammt.

Doch zuvor müsste durch den unterirdischen Versuch erst einmal Material frei werden, sagte Gerhard Winkler, Institut für Isotopenforschung und Kernphysik der Universität Wien. Bei einem unterirdischen Einsatz einer Bombe hängt es vor allem vom der Tiefe der Zündung und den geologischen Gegebenheiten ab, ob Radioaktivität an die Oberfläche kommt. Etwa durch Spalten sei in der Vergangenheit auch bei unterirdischen Explosionen immer wieder Radioaktivität frei geworden.

Ist dies der Fall, so haben die Isotopenforscher relativ leichtes Spiel. Isotopen sind verschieden schwere Formen ein und desselben chemischen Elements. Die Isotopenverhältnisse können ein sehr feiner Fingerabdruck über Zusammensetzung und Herkunft verschiedener Materialien sein. So ist es heute möglich, die Herkunft von Weinen oder anderen Nahrungsmitteln damit festzustellen.

Erst recht können Isotopenforscher die Quelle einer radioaktiven Wolke festzustellen. Kommt das Material beispielsweise aus einem Kernkraftwerk, so können die Experten genau die Type bestimmen, ob es sich etwa um einen Schwer- oder einen Leichtwasserreaktor handelt. Eine Aufbereitungsanlage hinterlässt wiederum einen anderen Isotopen-Fingerabdruck als etwa eine Bombe. (APA)

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