Schlechter Tänzer und Sänger

10. Oktober 2006, 19:06
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Andy Roddick kann mit seinem Popstar-Image nicht allzuviel anfangen, Europa und die Wiener Innenstadt gefallen ihm da schon besser

Wien - "Wenn ich zu einem Turnier reise, dann will ich es gewinnen." US-Superstar Andy Roddick zeigte sich am Dienstagvormittag in den Katakomben der Wiener Stadthalle locker und doch voll konzentriert vor seinem ersten Einsatz bei der BA-CA-Trophy. Der Weltranglisten-6. und US-Open-Finalist präsentierte sich offen und sympathisch. Und er räumte auch mit einigen Gerüchten privater Natur auf.

"Ich kann nicht singen und ich kann nicht tanzen

Das Bild, das er ein bisschen wie ein Popstar auftreten würde, gefiel dem US-Amerikaner aber nicht so sehr. "Ich kann nicht singen und ich kann nicht tanzen, also wäre ich ein schlechter Popstar. Aber ich kann ganz okay Tennis spielen", meint "A-Rod" wie er wegen seines gewaltigen Aufschlags genannt wird.

Noch vor einem halben Jahr sah seine Welt nicht so rosig aus. Nach einer Formkrise war Roddick erst nach Wimbledon und der Verpflichtung von Jimmy Connors als Trainer plötzlich wieder in Topform. "Als Jimmy an Bord kam, hat sich schon einiges geändert. Er hat mir sowohl mental als auch spielerisch geholfen", erklärte Roddick.

Von Medien enttäuscht

Davor sei er schon etwas von manchen Medien und der Öffentlichkeit enttäuscht gewesen, die ihm nach vier, fünf schlechten Monaten prophezeit hatten, dass er nicht mehr in die Top 5 zurückkehren werde. "Das habe ich auch etwas persönlich genommen", gab er zu.

Roddick hat sich am Montagabend auch schon ein bisserl in Wien umgesehen, war auf der Kärntnerstraße spazieren und hat sich auch den Stephansdom angeschaut. "That's a pretty cool area", merkte er an. Halle und Belag hat er freilich schon inspiziert, und er ist zufrieden. Roddick ist auch informiert über die jüngsten Erfolge der Nummer 1 des Gastgeberlandes. "Ich kenne Jürgen schon seit den Juniorzeiten. Er ist ein netter Kerl und ich freue mich für ihn." Sollten er und Melzer zwei Runden gewinnen, wäre ein Viertelfinalduell der beiden möglich.

Erste Runden gegen Jose Acasuso

Natürlich möchte er hier, - wie vor drei Jahren auch bei seinem ersten Österreich-Auftritt in St. Pölten -, den Siegerscheck holen, doch zunächst muss er am Mittwoch erst einmal seinen Erstrunden-Gegner bezwingen. Gegen Jose Acasuso aus Argentinien hat Roddick eine 2:1-Bilanz, 2005 musste er in der 2. Runde der French Open eine Fünfsatz-Niederlage hinnehmen. "Er ist ein 'shotmaker'", weist Roddick darauf hin, dass der Weltranglisten-25. keineswegs ein Defensivkünstler ist.

Defensiv reagierte er auf die Frage, ob es denn möglich sei, Roger Federer in den nächsten zwei Jahren vom Thron zu stoßen. "Da müsste ihr jemand anderen fragen, ich habe eine 1:11-Bilanz gegen ihn." Aber natürlich sei es das Ziel eines jeden, ganz nach oben zu kommen. Bei Grand Slams ist ihm dies immerhin mit dem Titel bei den US Open 2003 auch schon gelungen.

Gefallen an Europa

In die Defensive ist auch die USA geraten, nach der Drohung durch Nordkorea, bei der weiter harten Haltung der US-Regierung eine Atomrakete in Richtung USA abzufeuern. "Natürlich habe ich meine Meinung dazu, aber ich glaube, ich bin nicht smart genug, dass ich das auch richtig weiter gebe." Grundsätzlich sei er ein sehr politischer Mensch. "Ich lese jeden Morgen die Zeitung, man muss doch wissen, was sich auf der Welt abspielt."

Darum ist er auch glücklich, als Tennisspieler viel zu reisen, andere Kulturen kennen zu lernen. Besonders als US-Amerikaner. "Hier in Europa fährt man zwei Stunden mit dem Auto und ist in einer völlig neuen Kultur, bei uns hat man vielleicht noch nicht einmal die Stadt verlassen." Und man wird auf der Tour auch schneller erwachsen. "Aber mein Fleisch und meine Kartoffel sind noch die gleichen geblieben."

Schließlich reagierte er auch auf die unvermeidliche Frage mit Professionalität. Was ist dran am Gerücht bezüglich einer Liaison mit Paris Hilton? "Gar nichts. Wir sind kein Paar. Immer, wenn man mit jemanden im selben Raum bei einer Veranstaltung ist, kommen solche Sachen auf." Auch mit Maria Scharapowa, so versichert er, sei gar nichts gewesen. Ob er sich, wenn er sich es aussuchen könnte, nicht ohnehin lieber eine unbekannte Freundin suchen würde? "Es ist besser eine nicht bekannte Freundin zu haben, weil ihr Leute keine Ahnung von dieser Person habt." (APA)

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    "Als Jimmy an Bord kam, hat sich schon einiges geändert"

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