Verdacht auf illegale medizinische Experimente

23. Oktober 2006, 14:06
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Ärzte in Israel verhaftet - Auch eine ehemalige Insassin des Vernichtungslagers Auschwitz gestorben

Tel Aviv - Wegen des Verdachts illegaler medizinischer Versuche an zahlreichen alten Patienten sind in Israel vier Ärzte verhaftet worden. Israelische Medien berichteten am Dienstag, sie würden der fahrlässigen Tötung in mindestens einem Fall verdächtigt. Bei einem der Experimente sei auch eine ehemalige Insassin des Vernichtungslagers Auschwitz gestorben.

Berta Wiesel, so der Name der Frau, habe während des Holocausts medizinischen Versuchen durch KZ-Ärzte nur knapp entkommen können, weil sie die Existenz einer Zwillingsschwester verbergen konnte, berichtete der israelische Rundfunk. Vor diesem Hintergrund habe sie stets betont, medizinischen Experimenten an ihrem Körper niemals zuzustimmen. Angehörige werfen den Ärzten vor, sie hätten vor drei Jahren bei der damals 84-Jährigen als Teil einer Versuchsreihe mit einer Spritze durch den Bauch Urin entnommen und damit eine Infektion ausgelöst, an der die Frau schließlich gestorben sei.

Bei den Tatverdächtigen handelt es sich den Berichten zufolge um den stellvertretenden Leiter der geriatrischen Klinik Kaplan- Herzfeld sowie zwei Ärztinnen und einen weiteren Arzt. Eine Untersuchung des Gesundheitsministeriums habe ergeben, dass die Ärzte jahrelang an tausenden alten Patienten illegale und unethische Versuche vornahmen, berichtete die Zeitung "Haaretz", die die Affäre im vergangenen Jahr aufgedeckt hatte.

Starke Nebenwirkungen

In einem Fall seien zwölf Patienten während oder kurz nach einem der Experimente gestorben, ohne dass dies dem Gesundheitsministerium mitgeteilt wurde. In mehreren Fällen seien die Versuche, etwa mit einem psychiatrischen Medikament mit starken Nebenwirkungen, ohne Einwilligung der Patienten erfolgt. Der Vorsitzende des Ausschusses für Humanversuche des Kaplan-Krankenhauses, Professor Avraham Eliras, wies die Vorwürfe zurück und sagte, die Experimente seien legal gewesen und dem Gesundheitsministerium berichtet worden. (APA/dpa)

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