Vielleicht wird es Bob Dylan: Quote 501:1 - Die Favoriten für den Preis

12. Oktober 2006, 13:07
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Buchmacher haben Pamuk und Adonis vorne - Es wird ein außereuropäischer Preisträger erwartet: Heuer bisher alle Nobelpreisträger aus den USA

Wien - Bevor am Donnerstag um 13.00 Uhr in Stockholm der Gewinner des diesjährigen Literatur-Nobelpreises bekannt gegeben wird, brodelt wie immer die Gerüchteküche. In den vergangenen zehn Jahren kamen nur drei Preisträger nicht aus Europa, was heuer auf einen außereuropäischen Kandidaten schließen lässt. Drei der vergangenen fünf Gewinner schrieben in Englisch, was die Position von US-Favoriten schwächt. Gleichzeitig ist die schwedische Akademie bekannt für ihre immanent politischen Entscheidungen.

Favorit Orhan Pamuk

Heißester Favorit unter den Topkandidaten - auch in Hinblick auf oben genannte Einschränkungen - ist der türkische Autor Orhan Pamuk. Pamuk wurde im vergangenen Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet und galt bereits damals als Nobelpreis-Kandidat. Der 54-Jährige beschäftigt sich in seinen Büchern mit den Verbindungen und Gegensätzen zwischen europäischer und osmanischer Welt - und damit wohl einem der aktuellsten und auch politisch brisantesten Themen derzeit.

Pamuk steht auch bei der britischen Wettagentur Ladbrokes mit einer Quote von 4:1 ganz oben auf der Liste der Kandidaten. Unmittelbar hinter ihm liegen der in Syrien geborene Dichter Adonis (Ali Ahmad Said Asbar) mit einer Quote von 5:1. Auch Adonis wurde schon in den vergangenen Jahren immer wieder als heißer Kandidat auf den mit 1,1 Millionen Euro dotierten Preis genannt. Überhaupt ähneln die Namen von heuer sehr jenen der letztjährigen Favoriten: Der Pole Ryszard Kapuscinski kommt in diesem Namenskarussell etwa immer wieder vor.

Die Amerikaner: Philip Roth, Joyce Carol Oates, Thomas Pynchon...

Hoch im Kurs stehen auch US-Autoren. Mit Philip Roth, dessen neues Buch "Jedermann" vielfach ausgezeichnet besprochen wurde, und Joyce Carol Oates haben die USA, die seit der Ehrung von Toni Morrison 1993 auf einen Literatur-Nobelpreis warten, zwei heiße Eisen im Feuer. Auch die Namen von Thomas Pynchon, Don DeLillo oder John Updike werden von Insidern gerne genannt. Bekommt ein Amerikaner die höchste Auszeichnung im Bereich Literatur, wäre die US-Dominanz bei den Nobelpreisen heuer perfekt: Zuvor gingen schon die Preise für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften in die Vereinigten Staaten.

Gute Chancen auch für Amos Oz

Natürlich kann es aber auch heuer wieder ganz anders kommen. Weder der britische Dramatiker Harold Pinter noch die Österreicherin Elfriede Jelinek waren in den beiden vergangenen Jahren erwartet worden. Dies könnte mit der Vorliebe von Horace Engdahl, dem Ständigen Sekretär der Schwedischen Akademie, für realistische, "erlebte" Literatur ("witness literature") zusammenhängen: Laut Insidern habe daher auch der israelische Autor Amos Oz heuer gute Chancen.

Oder ein Außenseiter?

Möglicherweise wird auch dieses Jahr tatsächlich wieder ein Außenseiter das Rennen machen. Zu diesen zählen der Peruaner Mario Vargas Llosa, der Tscheche Milan Kundera, der Franzose J.-M. G. Le Clezio, die Algerierin Assia Djebar und die britische Autorin Doris Lessing. Bei Ladbrokes werden zudem Ko Un aus Korea, Inger Christensen aus Dänemark und Tomas Transtromer aus Schweden mit einer Quote von 13:1 gehandelt. Reich werden kann man beim Online-Wettanbieter, wenn der US-Sänger Bob Dylan, seit langem sentimentaler Nobelpreis-Favorit seiner Fans, den Literatur-Nobelpreis bekommen sollte: seine Quote liegt bei 501:1. (APA)

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