Bankraub-Serie in Wien unerklärlich

11. Oktober 2006, 19:48
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Ermittler: Es lohnt sich nicht - Geringe Beute, hohes Risiko, strenge Strafen - Täter denken nicht viel nach

Der kriminelle Ansturm auf Wiener Banken reißt nicht ab: Am Dienstagvormittag wurde das 59. Geldinstitut seit 1. Jänner 2006 überfallen. Der Rekord von 2004 mit 67 Delikten dürfte bis Jahresende wohl gebrochen werden. Und das obwohl es sich nicht lohnt, Banken zu überfallen, wie Gerald Hesztera, Sprecher des Bundeskriminalamts, im APA-Gespräch sagte. "Die Beute ist normalerweise sehr gering und das Risiko, erwischt zu werden, sehr hoch." Zudem werden Bankraube streng bestraft.

"Nicht einsichtig"

Warum Kriminelle in Geldinstituten derart aktiv sind, "ist nicht einsichtig", sagte er. Im Jahr 2005 wurden mehr als die Hälfte aller Räuber gefasst - "statistisch gesehen, sitzt man nach jedem dritten Banküberfall im Gefängnis", so Hesztera. Der Strafrahmen für schweren Raub liege bei fünf bis 15 Jahren, kommt bei dem Überfall jemand zu Schaden, dehnt er sich auf bis zu 20 Jahre aus. Stirbt ein Beteiligter, könne dies für den Täter "lebenslänglich" bedeuten.

Keine "ausgeklügelten Fälle"

"Ausgeklügelte Fälle wie in US-amerikanischen Krimis gibt es nicht", meinte der Kriminalist. Überfälle auf Banken seien hier zu Lande nicht organisiert. In 90 bis 95 Prozent schlagen Einzeltäter zu, in Ausnahmefällen sucht ein Duo ein Geldinstitut heim, so Hesztera. Die Kriminellen scheinen im Vorfeld über ihre Tat "nicht viel nachzudenken". Banküberfälle seien in Österreich kurzfristige Aktionen ohne große Planung.

Panikreaktionen

Ob sich verstärkte Sicherheitsmaßnahmen lohnen würden, daran scheiden sich bei der Polizei die Geister. Ein Ansatz laute, einen Räuber auf keinen Fall bei einem Überfall durch Türen oder Gitter in einem Geldinstitut einzusperren. Dies könne zu Panikreaktionen und Geiselnahmen führen, sagte Hesztera. Trotz der hohen Anzahl an Fällen in Wien im Jahr 2006 sei die Gewaltbereitschaft der Täter gering. Im Jahr 2006 wurde in der Bundeshauptstadt niemand bei einem Bankraub verletzt. (APA)

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