Kapitalspritze: Städtische übernimmt Teile der Bawag-Anteile

25. Oktober 2006, 17:06
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Geyer: Wünsche mir noch andere österreichische Unternehmen als AUA-Aktionäre - Fluglinie für Standort Österreich wichtig

Wien - Die Wiener Städtische Versicherung (Vienna Insurance Group) wird bei der geplanten Kapitalerhöhung der börsenotierten Austrian Airlines (AUA) im Ausmaß ihres Anteils mitziehen und darüber hinaus auch Teile des BAWAG-Anteils zeichnen, kündigte der Generaldirektor der Versicherung, Werner Geyer, am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien an. Zum bestehenden Anteil von 1,5 Prozent kämen noch rund 0,5 Prozent der BAWAG hinzu, da die BAWAG nur teilweise mitziehen werde. Die Wiener Städtische werde somit in Zukunft rund 2 Prozent an der AUA halten, so Geyer.

Er hoffe, dass sich auch andere heimische Unternehmen - auch außerhalb der Versicherungen - an der Kapitalerhöhung beteiligen werden. Derzeit sei die Wiener Städtische die einzige Versicherung, die sich um den Österreich-Standort Gedanken mache.

Die Städtische verfolge generell das Ziel, sich strategisch an für den Wirtschaftsstandort Österreich bedeutenden Unternehmen mit einem bis zu acht Prozent zu beteiligen, so Geyer. Die Fluglinie sei derzeit in einer schwierigen Situation, stelle aber für Ostösterreich einen sehr wichtigen wirtschaftlichen Faktor dar, etwa für den Tourismus. Auch aus Gründen der Umwegrentabilität sei es wichtig, Firmen in Österreich zu behalten. Ein Sitz im Aufsichtsrat der AUA sei kein Ziel.

Gutes Grundkonzept

Der neue AUA-Chef Alfred Ötsch habe ein gutes Grundkonzept, so Geyer, die Leitung des Unternehmens sei derzeit aber schwierig, einige Themen wie die vielen Kollektivverträge seien zu bereinigen.

Größter Einzelaktionär der AUA ist die ÖIAG, die derzeit 39,7 Prozent hält. Die AUA hat eine 350 Mio. Euro schwere Kapitalerhöhung angekündigt, die noch heuer umgesetzt werden soll. Die ÖIAG will dabei im Ausmaß ihrer Anteile mitziehen.

Um eine für die Landerechte im internationalen Flugverkehr relevante österreichische Mehrheit aufrechtzuerhalten, hat die ÖIAG vor Jahren mit mehreren Partnern, darunter große Finanzinstitute wie Raiffeisen, BAWAG und Wiener Städtischer Versicherung - und einst auch mit der Bank Austria - ein Syndikat gebildet, das gemeinsam über 50 Prozent an der AUA hält und sich auch im Stimmverhalten abstimmt. Auch diese Syndikatspartner der ÖIAG werden sich an der Kapitalerhöhung beteiligen. Der Rest der neuen Aktien soll im Freihandel platziert werden.

Bawag nimmt teil

Die BAWAG P.S.K. wollte heute auf Anfrage keine Details hinsichtlich ihrer Teilnahme an der noch für heuer geplanten AUA-Kapitalerhöhung abgeben. "Wir nehmen teil", so BAWAG-Sprecher Thomas Heimhofer. Weitere Details gebe die Bank nicht bekannt, da es sich um ein laufendes Kapitalmarktverfahren eines börsenotierten Unternehmens handle.

Geyer: Neue Regierung sollte keine Sprünge machen

Von einer neuen Bundesregierung erwartet Wiener Städtische-Chef Günter Geyer erwartet vor allem, dass es zu keinen drastischen Änderungen kommt. "Sie sollte keine Sprünge - weder steuerlicher Art noch bei den Rahmenbedingungen - machen und berechenbar sein", sagte Geyer am Montag vor Journalisten im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien.

Die Pensionsregelung und Pensionsabsenkung sei im Kern gelaufen, auch wenn marginale Änderung wahrscheinlich notwendig seien. Auch bei der Gruppenbesteuerung erwartet sich Geyer nur marginale Änderungen. Bei der Gruppenbesteuerung - die Wiener Städtische zieht davon keine Vorteile aus dem Ausland, aber aus dem Inland - sollte die Umwegrentabilität für Arbeitsplätze nicht vergessen werden, meinte Geyer. Deshalb würde er einer neuen Regierung abraten, die Gruppenbesteuerung abzuschaffen.

Einen besonderen Stellenwert misst Geyer dem Thema Pflege und Gesundheit bei. Davon würden die Menschen stärker als vom Pensionsthema betroffen werden, das Thema werde auch noch über die nächsten zwei vollen Regierungsperioden hinaus wichtig bleiben. Generell bedürfte es dabei eines Umdenkungsprozesses, denn noch immer würden die meisten davon ausgehen, dass es sie nicht betreffe.

Private Pflegevorsorge

Geyer schlägt vor, die private Pflegevorsorge im Rahmen der Zukunftsvorsorge staatlich zu fördern. Die derzeit noch schwarz arbeitenden Betreuer sollten schnell legalisiert, die Pflegeberufe aufgewertet und die Betreuer sozial abgesichert werden.

Vom Gesetzgeber erwartet sich Geyer eine staatliche Förderung der privaten Pflegeversicherung im Rahmen der Zukunftsvorsorge. Da der maximal geförderte Betrag der Zukunftsvorsorge von derzeit 2.066 Euro bei der Städtischen von 97 Prozent nicht zu 100 Prozent ausgenutzt werde, könnte der Differenzbetrag für eine geförderte Pflegeversicherung ausgenutzt werden, schlägt Geyer vor. Am geförderten Maximalbetrag will Geyer nichts ändern.

Laut einer von Geyer präsentierten Umfrage bekunden zwei Drittel der Österreicher Interesse am Abschluss einer privaten Pflegeversicherung mit staatlicher Förderung. Ohne Förderung sinkt das Interesse auf ein Drittel. Rund 42 Prozent der 1.000 befragten Österreicher erwarten, dass sich ein Seniorenheim im Alter um sie kümmern wird. Jeweils ein Drittel hofft auf den Partner bzw. die Kinder. Ein Viertel gibt an, eine bezahlte Betreuung daheim in Anspruch nehmen zu wollen.

An erster Stelle der Leistungen, die eine private Pflegeversicherung bieten muss, steht die Finanzierung von Pflegepersonal. Die Finanzierung eines privaten Pflegeplatzes steht noch vor dem Wunsch nach einem monatlichen Beitrag der Versicherung, der schon ab Pflegestufe 1 bezahlt wird.

In Sachen Bawag-Verkauf Filetierung nicht ausgeschlossen

Geyer hält eine Filetierung der zum Verkauf stehenden Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. bei einem Verkauf an einen Investmentfonds für möglich. "Bei Fonds stehen Renditeüberlegungen ganz vorne", sagte Geyer am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Es sei nicht vorstellbar, dass Fondsinteressen im Einklang mit einer mittel- bis langfristigen BAWAG-Strategie stünden. Eine Filetierung sei daher nicht ausgeschlossen, sagte der Chef der Wiener Städtischen, die selbst gemeinsam mit der Erste Bank Interesse an der BAWAG bekundet hatte. (APA)

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    Wiener-Städtische-Chef Günther Geyer.

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