Das Ziel: „Die Widersprüche aufzeigen“

24. November 2006, 18:46
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„Noch ein Film über den Nationalsozialismus? In Zeiten, in denen längst überwunden Geglaubtes wieder auftaucht, Vergangenes, das auch fünfzig Jahre später nicht bewältigt ist, wieder niedergeschwiegen werden soll: in solchen Zeiten des Jahres 1986 kann so ein Film nicht zu viel sein!

 

38 hat den Ehrgeiz, authentisch zu sein, versucht, filmisch nachzuerzählen, was Romanautor und Regisseur damals selbst erlebt und empfunden haben: Auch das war Wien nannte Friedrich Torberg seinen Roman. 38 will aber vor allem die Beweggründe der Figuren, der handelnden Personen sichtbar machen. Nicht verständlich, nur erkennbar.

Die Widersprüche aufzeigen. Was macht denn die Vergangenheitsbewältigung so schwierig? Dass in jedem ein Teil des ganz gewöhnlichen Faschismus erhalten ist, aber auch die menschliche, positive Seite. 38versucht, die Schuldfrage neu aufzurollen, zumindest zur Debatte zu stellen.

Sunnyi Melles, die Hauptdarstellerin, sagt „dieser Film erzeugt schlechtes Gewissen“. Ich glaube, sie meint damit, dass „Unschuld“, Passivität, die Hilflosigkeit und das Verschließen der Augen, mit denen wir heute den Wolken einer gefährlichen Zukunft gegenüberstehen, den damaligen erschreckend ähnlich sind.“ (Wolfgang Glück über 38)

„Akademischer, bemühter in der Rekonstruktion einer bestimmten Zeitstimmung geht Glück ans Werk. Sein Film über die Tage des Anschlusses Österreichs 1938 ans nationalsozialistisch beherrschte Deutsche Reich habe den Ehrgeiz, authentisch zu sein, sagt Glück. Tatsächlich ist das gelungen, wenngleich um den Preis einer unabweisbaren Lehrhaftigkeit.“

(Hans-Dieter Seidel am 8. September 1986 in der Frankfurter Allgemeine)

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