Voll da: „Das 80er-Revival“

23. November 2006, 19:35
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Lachen als eine Art von Qualität: „Müllers Büro“

Niki List über „Müllers Büro“: „Als wir den Film drehten, war Lachen an sich schon so etwas wie Qualität. Man könnte es auch als Dienst an der Gesundheit des Publikums sehen. Bereits beim Machen hatten wir schon eine gute Zeit, und als nach 63 Wochen Laufzeit der Film endlich aus den Kinos verschwand, war’s sowieso okay.“

 

„Ahnungslos, von filmischer Erfahrung kaum beleckt, begannen viele meiner Freunde mit mir ein Projekt, das mit meinem ersten Film „Malaria“ nur insofern zu tun hatte, als dass die Leute, die immer noch so verrückt waren, daran zu glauben, dass sich im Filmemachen vor allem Qualität durchsetzt, wieder am Werk waren.“ „Der Zeitgeist der 80er-Jahre hat sich zwar geändert, aber das Revival ist voll da.

Es gibt seit dem Erscheinen der DVD eine wachsende Fangemeinde, die nach einem zweiten Teil fragt. Wenn ich jetzt Radio höre, fühle ich mich bei mancher Musiknummer in die Zeit der Neuen Deutschen Welle versetzt. Also her mit einem zweiten Teil und im Kino die Zeit vor Aids und Vogelgrippe genießen, als wir zum Lachen noch nicht in den Keller gingen.“

Aus einem Bericht in der „taz“: „Zu spät zu kommen zu einem Film ist ab und an bei Filmfestspielen unmöglich, dennoch ein besseres Zeichen, als vorher zu gehen. Als ich in diese österreichische Klamotte stieß, waren Müller und sein Kumpel schon in die gröbsten Verstrickungen mit der Unterwelt verwickelt, wenn sie nicht gerade mit einer Frau im Bett lagen. Im Publikum herrschte jedenfalls schon eine Bombenstimmung, das Grölen drang bis ins Foyer. Wenn es hier einen Publikumspreis gäbe, Müllers Büro gehörte zu den Favoriten. Weil – und hier schlägt wieder das Gewissen des Kritikers – Niki List einen Streif- und Raubzug durch die Filmgeschichte unternommen hat, auf dem keine Anleihe bei den besten und den schlechtesten Filmen der Fünfzigerjahre zu schade war. Der Privatdetektiv, der Frauenheld, Action-, Musical- und Rockmusikfilme werden auf die Schippe genommen.

Diese Aufzählung ließe sich beliebig erweitern, so feiert auch die Film-im-Film-Ebene neue Urstände. Wenn man als Regisseur nicht ganz dumm ist, muss das einfach funktionieren. Niki List ist sogar ganz clever, weil er respektlos auf die Karte des Vergnügens setzt. Mal fühlt man sich in den Musikfilm der 60er- Jahre mit Peter Alexander versetzt, dann wird die Rocky Horror Picture Show hochgenommen und es findet sich auch ein Plätzchen für die Klassiker – Fritz Lang lässt grüßen.

Wer sich also eineinhalb Stunden köstlichst auf Kosten anderer amüsieren will, wird bestens bedient. Natürlich wird dabei das Kino nicht neu erfunden, doch die mitunter sehr lustig kombinierten Versatzstücke alles bisher Gewesenen sind allemal unterhaltsamer als vieles von dem gequälten Gefilme, das angeblich den Ausweg aus der Misere weisen soll. Wenn nichts mehr geht, legt Müller los. Das ist ebenso lustig wie traurig anzusehen.“

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