Deutsche Regierung plant notfalls EADS-Einstieg

25. Oktober 2006, 18:54
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Die deutsche Regierung arbeitet offenbar an einem Geheimplan, um notfalls beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS einzusteigen

Düsseldorf/Berlin - Die deutsche Regierung arbeitet nach Presseberichten an einem Geheimplan, um notfalls beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS einzusteigen. Wie das "Handelsblatt" und der Berliner "Tagesspiegel" am Dienstag unter Berufung auf Regierungskreise berichteten, wurde die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) damit beauftragt, ein Modell für einen zeitlich befristeten Kauf von EADS-Aktien zu entwickeln.

Die staatliche Beteiligungen an dem Konzern solle so ausgestaltet werden, dass die KfW-Bankengruppe dafür keine Aktien der Deutschen Post oder Deutschen Telekom verkaufen müsse, sagte ein hoher Regierungsbeamter den Zeitungen zufolge.

Wenn DaimlerChrysler Anteil weiter reduziert

Der staatliche Einstieg bei der EADS wird nach den Berichten für den Fall geprüft, dass der deutsch-amerikanische Autokonzern DaimlerChrysler seinen Anteil an EADS weiter reduziert. Derzeit hält DaimlerChrysler 22,5 Prozent, hat aber bereits angekündigt, den Anteil auf 15 Prozent verkleinern zu wollen. In jedem Fall wolle die Berliner Regierung verhindern, dass der deutsche Einfluss durch den Rückzug von DaimlerChrysler sinke, berichteten die Blätter.

Das deutsche Finanzministerium hatte am Vortag einen vorübergehenden Einstieg der KfW bei EADS grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Es werde über Situationen nachgedacht, in denen es sinnvoll sein könne, über die KfW Anteile vorübergehend zu halten, sagte ein Sprecher. Aktuelle und konkrete Pläne gebe es aber noch nicht. Mit einem Einstieg bei EADS könnte die Regierung ein Gegengewicht zu dem Anteil des französischen Staates schaffen und ihren Einfluss auf Standortentscheidungen des Konzerns erhöhen.

Die Diskussion um einen Einstieg der KfW bei EADS war durch die aktuelle Krise des Tochterunternehmens Airbus ausgelöst worden. Im Gegensatz zu Deutschland ist der französische Staat an EADS beteiligt: Mit 15 Prozent an EADS ist er der zweitgrößte Anteilseigner nach DaimlerChrysler. (APA/AFP)

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