Indien: Zwiespältige Reaktionen auf Verbot von Kinderarbeit

19. Oktober 2006, 15:33
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Zwölfjähriger: "Das ist ein schwerer Schlag" - Regierung kündigt harte Strafen an

Neu-Delhi - Zwiespältige Reaktionen hat ein neues Gesetz zum Verbot der Kinderarbeit in Indien ausgelöst. Nachdem bisher schon die Arbeit von Minderjährigen in der Industrie verboten war, ist seit Dienstag auch der Einsatz von Kindern und Jugendlichen unter 14 Jahren als Hausbeschäftigte sowie in Ferienzentren, Hotels, Restaurants und Teehäusern verboten. Ministerpräsident Manmohan Singh kündigte bei Verstößen harte Strafen an.

"Ich rufe jeden Einzelnen auf, die Beschäftigung von Kindern einzustellen und sie stattdessen zum Unterricht in der Schule anzuhalten", sagte Singh. Das Gesetz sieht bei Verstößen Haftstrafen bis zu einem Jahr sowie Geldstrafen von 10.000 Rupien (176 Euro) vor.

Nach Ansicht von Kritikern wird das Gesetz die bestehende Kinderarbeit kaum eindämmen können, da viele Familien auf den finanziellen Beitrag der Kinder angewiesen sind. Viel wichtiger als ein Gesetz gegen Kinderarbeit seien wirksame Maßnahmen gegen die Armut, sagte Rita Panicker, die das Butterflies-Projekt zur Unterstützung von Straßenkindern leitet.

Auch in der Industrie werden trotz des Verbots zehntausende von Kindern in Fabriken zur Herstellung von Streichhölzern und Feuerwerkskörpern sowie in der Textilindustrie beschäftigt. Die Zahl der Kinderarbeiter in Indien wird auf 13 Millionen geschätzt.

"Das ist ein schwerer Schlag", sagte der zwölfjährige Dinesh Kumar, der aus einem Dorf in Ostindien stammt und seit drei Jahren in Neu-Delhi arbeitet. "Ich weiß wirklich nicht, was ich jetzt tun soll." Der 13-jährige Tellerwäscher Rama Chandran erklärte, er müsse in Neu-Delhi Geld verdienen, damit er Geld nach Hause schicken könne. "Wenn ich das nicht mehr kann, verhungern sie." (APA/AP)

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