Putzige Lösungen

12. Oktober 2006, 14:33
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Die Freundin als Putzfrau? Wenn schon, dann unter denselben Konditionen - Ein Kommentar

Die SPÖ wünscht sich ein eigenes Frauenministerium, ein ganzes und keine Halbe/Halbe-Lösung. Das zukünftige Beschäftigungsfeld könnte und dürfte sich nicht auf die vertrauten vier Wände beschränken, denn Frau muss nicht Mama sein, um den gesellschaftlichen Backlash zu spüren.

Rief die Kampagne "Ganze Männer machen halbe/halbe", initiiert von der damaligen Frauenministerin Helga Konrad, vor elf Jahren noch wilde Diskussionen hervor, so ist die Arbeitsteilung im Haushalt unverändert geblieben. Mögen sich die Vorstellungen klassischer Rollenverteilung auch seit damals verschoben haben, im Alltag blieb alles beim Alten, obwohl die "Halbe/Halbe"-Kampagne in einer Gesetzesnovelle mündete (§ 91 ABGB): Seit Beginn 2000 sind alle österreichischen Ehemänner verpflichtet, "ihre eheliche Lebensgemeinschaft, besonders die Haushaltsführung, die Erwerbstätigkeit, die Leistung des Beistandes und die Obsorge, unter Rücksichtnahme aufeinander und auf das Wohl der Kinder mit dem Ziel voller Ausgewogenheit ihrer Beiträge einvernehmlich" zu gestalten. Und wie sieht der Putzplan bei jungen unverheirateten Paaren aus?

Umfrage

Das bisschen Haushalt ist sehr wohl ein Problem. Offensichtlich wird es, wenn ein Paar zusammenzieht: Kümmerte sich zuvor jeder um seinen/ihren Haushalt, bleibt in der gemeinsamen Wohnung erstmal alles liegen – oder sie hebt seine Kleiderhaufen gleich auf, dreht bald die Staubsaugerrunden, putzt Bad und WC. Eine kleine private Umfrage ergab: Alle Frauen arbeiten außer Haus und putzen trotzdem brav alleine, nur eine bekommt ihre Heimarbeit auch bezahlt. Nicht ohne Freude sagt Nina, dass ihr Freund sie dafür auf den jährlichen gemeinsamen, großen Urlaub – drei Wochen Fernreise – einlädt. Internet habe sie nun auch zuhause, denn das war im privaten Verhandlungspaket zur Hausarbeit ebenso enthalten.

Innovation

Nur eine putzige Lösung? Wohl kaum. Vielmehr ist der Bali-Putz-Deal eine kleine, aber feine Innovation. Hunderttausende Freundinnen und Frauen heben getragene Kleidung auf, drehen Staubsaugerrunden, putzen Bäder und WCs und bekommen dafür bestenfalls lobende Worte und einen Kuss. Die Freundin als Putzfrau? Wenn schon, dann unter denselben Konditionen.

Ein weiteres Ergebnis der privaten Umfrage war, dass die jungen Männer keineswegs unwillig sind, den Geschirrspüler nicht bloß anzuwerfen, sondern auch einzuräumen. Solange aber die Einkommensschere die Vermögensverhältnisse in Beziehungen derart auseinanderklaffen lässt, wird die Waschmaschine wohl weiterhin von ihr gefüttert werden. Wenn sie halbzeit- und er vollzeitbeschäftigt ist, dann macht zumeist Frau alleine Halbe/Halbe. (mam)

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    10.10.2006
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