Sinkende Selbstmordraten in Tirol

12. Oktober 2006, 11:13
4 Postings

90 Prozent der Suizidopfer litten unter psychischer Erkrankung

Die Zahl der Selbstmorde ist in den vergangenen zehn Jahren in Tirol um ein Drittel zurückgegangen. Starben 1995 noch 143 Menschen durch Suizid, waren es im Vorjahr nur noch 100. Diese Zahlen gaben die im "Tiroler Bündnis gegen Depression" zusammenarbeitenden Psychiater Ullrich Meise, Eberhard Deisenhammer und Christian Haring bekannt. Anlass dafür ist der "Welttag für psychische Gesundheit" am 10. Oktober. Die rückläufigen Zahlen decken sich mit den Tendenzen in ganz Österreich und vielen Ländern weltweit.

Als maßgeblichen Faktor für die positive Entwicklung in Tirol nennt Meise die "Verbesserung der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen" - allerdings gebe es noch immer mehr Suizid- als Unfallopfer. Untersuchungen belegen, dass 90 Prozent der Menschen, die Selbstmord begingen, unter psychischen Erkrankungen gelitten haben, vorrangig Depressionen. Die höchste Suizidrate weist die Statistik bei über 80-jährigen Männern aus, während junge Frauen die Gruppe mit den häufigsten Selbstmordversuchen sind.

Weiter senken

Deisenhammer verweist auf Untersuchungen, die belegen, dass "Maßnahmen zur Verminderung der Erreichbarkeit und Zugänglichkeit zu Suizidmitteln und -methoden" die Selbstmordraten weiter senken können. Nicht zu unterschätzen sei in diesem Zusammenhang die Rolle der Medien, die mit ihrer Berichterstattung über Suizide die Nachahmungsgefahr erhöhen oder hintanhalten können.

Vor allem im ländlichen Raum sieht Haring dringenden Bedarf an einer verbesserten Suizidprävention, besonders im Bereich der psychiatrischen/psychotherapeutischen Versorgung. Entsprechend der Empfehlungen der WHO gelte es schon bei Kindern, "Stressmanagement, Selbstwirksamkeit, Autonomie und Authentizität" als Beiträge zur Erhaltung psychischer Gesundheit zu fördern. (hs/DER STANDARD-Printausgabe, 10.10.2006)

Share if you care.