Tirol: Schwache Transit-Bremsen

11. Oktober 2006, 08:59
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Das vom Europäischen Gerichtshof gekippte Lkw-Fahrverbot für bestimmt Güter wird in Tirol neu verordnet

Transitforum-Obmann Fritz Gurgiser hält das Maßnahmenbündel gegen die hohe Luftbelastung für einen wichtigen Schritt, aber für unzureichend.

Als "wichtigen", aber "unzureichenden Schritt" bezeichnet Transitforum-Obmann Fritz Gurgiser das geplante Maßnahmenbündel der Tiroler Landesregierung gegen die schwere Schadstoffbelastung im Inntal. Im November soll das Paket in Kraft treten. Zwar werden einige Maßnahmen, die zur Begutachtung aufliegen, von Gurgiser begrüßt, vor allem das vom Europäischen Gerichtshof gekippte, nun neu vorgelegte "sektorale Lkw-Fahrverbot" für bestimmte Güter. Dieses sei "einzigartig im Binnenmarkt". Dennoch werde "den Gesundheitsinteressen der Bevölkerung kein Vorrang vor den Transitinteressen eingeräumt".

Wie berichtet, ist Tirols Landesregierung zum Handeln gezwungen, nachdem das Inntal erstmals vor vier Jahren zum "Sanierungsgebiet" erklärt wurde. Vor allem wegen des steigenden Lkw-Transits leben 400.000 Menschen, gut 60 Prozent der Landesbevölkerung, im belasteten Gebiet. Auch der Zentralraum Innsbruck zählt dazu.

Pläne

Drei der vier Maßnahmen betreffen Lkws: ein räumlich ausgedehntes Nachtfahrverbot, ein Fahrverbot für alte, schadstoffreichere Laster sowie eines für bestimmte Waren wie Abfälle, Getreide, Steine oder Pkws, die auch per Bahn transportabel sind. Viertens ist ein Tempolimit für Pkws von 100 km/h geplant.

Gurgiser kritisiert eine Reihe von Ausnahmen. Etwa, dass das Verbot bei Tag vorerst nur die ältesten Typen, Euro 0 und I betrifft, die im Transit aber nur zwei bis drei Prozent ausmachen. Euro II trifft es erst 2008. Gurgiser plädiert für ein baldiges Verbot von Euro II und Euro III und für differenzierte Übergangsfristen von Transit- und Regionalverkehr. Der Fuhrpark im Transit rasch modernisiere sich rasch: In zwei Jahren werde laut Prognose der Verkehrsabteilung der Anteil der neuesten Lkw-Typen Euro IV und V bereits 60 Prozent betragen. Die am Papier erhoffte Schadstoffreduktion werde dadurch "aufgefressen". Alternativen wie Bahn und andere Routen stünden zur Verfügung, die EU-Kommission müsse aber darauf hingewiesen werden. (Benedikt Sauer/DER STANDARD-Printausgabe, 10.10.2006)

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    Auf den Tiroler Transitrouten rauscht der Verkehr nach wie vor, trotz sektoralen Lkw-Fahrverbotes für bestimmte Güter.

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