Oberösterreich: FPÖ bezahlt Anwalt

25. Oktober 2006, 21:13
6 Postings

Obmann sei Opfer "politischer Intrige" - Wahlhelferin hatte "Chef" wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung angezeigt

Linz - Günther Kleinhanns fühlt sich einer "angesehenen Persönlichkeit" wie Manfred Traxlmayr verpflichtet. Deshalb sieht er es auch als "moralische Schuldigkeit" an, seinem Fraktionschef die Rechnung zu begleichen. Und deshalb bezahlt die FPÖ-Fraktion im Linzer Gemeinderat seinem Obmann die Anwaltskosten. Weniger deutlich sind die Angaben Kleinhanns, wenn es um den Summe der Anwaltskosten geht. "2870 Euro, wie veröffentlicht, waren es jedenfalls nicht."

Traxlmayr selbst will keine Stellungnahme abgeben. Der Kommunalpolitiker, hauptberuflich selber Anwalt, bat Anfang dieses Jahres einen Kollegen um seine Verteidigung. Eine ehemalige Wahlhelferin hatte ihren "Chef" bei der Staatsanwaltschaft wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung angezeigt. Da der "Tatverdacht nicht konkret genug war" legte die Staatsanwaltschaft die Anzeige zurück.

Die Freiheitlichen sahen damit ihren von Anfang an geäußerten Verdacht, es handele sich um eine politische Intrige, bestätigt. Die Fraktion beschloss, die Anwaltskosten von Traxlmayr zu begleichen. "Es war ein Angriff auf die Funktion des FPÖ-Obmannes", argumentiert Kleinhanns.

Eine Auffassung, die offensichtlich nicht alle fünf Fraktionsmitglieder teilen. Ute Klitsch, Gemeinderätin und Parteiobfrau der Linzer FPÖ, versichert, den Fraktionsbeschluss nicht mitgetragen zu haben. Auch habe es von der freiheitlichen Partei kein diesbezügliches Ja gegeben. "Das geht allein auf das Konto der Fraktion", betont sie. Auch Gemeinderat und künftiger Nationalrat, Werner Neubauer, distanziert sich von dem Fraktionsbeschluss.

Zweite Anzeige

Der FPÖ-Fraktionsobmann war Anfang des Jahres nicht das erste Mal wegen einer angeblichen Sexaffäre in die Schlagzeilen geraten. Im Jänner 2005 tauchten Verdachtsmomente auf, der Politiker habe sich am Computer des Linzer Fraktionsbüros tausende Pornos, darunter auch welche mit Minderjährigen, angeschaut. Auch diese Anzeige wurde von der Staatsanwaltschaft aus Mangel an Beweisen zurückgelegt. (DER STANDARD, ker, Printausgabe, 10.10.2006)

Share if you care.