Faustschlag streckte Polizisten nieder

12. Oktober 2006, 11:13
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43-jähriger Beamter nach Attacke von 21-Jährigem mit Gehirnblutung im Spital

Linz/Wien - Zunächst sah es wie ein Routineeinsatz nach einem Streit am Würstelstand aus, am Ende lag in der Nacht zum Montag ein Linzer Polizist bewusstlos und schwer verletzt auf der Straße. Die Aggressivität steige generell, nicht nur gegenüber Exekutivbeamten, glaubt Alexander Niederwimmer, Polizeisprecher in Oberösterreichs Landeshauptstadt.

Der Zwischenfall in Linz hatte Montag gegen 1 Uhr begonnen. Vier Männer waren bei einem Würstelstand am Taubenmarkt in Streit geraten, ein 21-Jähriger wurde handgreiflich und verletzte zwei Kontrahenten leicht. Mit seinem Kumpan flüchtete er, die beiden Opfer stoppten einen vorbeikommenden Streifenwagen und schilderten den Beamten den Vorfall.

Die nahmen die Verfolgung auf und entdeckten kurz darauf den 21-Jährigen und seinen 31 Jahre alten Begleiter. Die beiden Linzer waren zwar laut Polizeidarstellung bockig und aggressiv, die Überprüfung der Personalien gelang aber noch. Erst danach soll der 21-Jährige dem 43-jährige Exekutivbeamten nachgegangen sein, ihn bespuckt haben und zu Fuß geflüchtet sein. Der Polizist verfolgte ihn - bis der junge Mann im Lauf stoppte, sich umwandte und dem Beamten mit der Faust ins Gesicht schlug.

Nach Flucht festgenommen

Der 43-Jährige brach bewusstlos zusammen und wurde mit einer Gehirnblutung und schweren Gesichtsknochen und Kieferverletzungen vom Notarzt ins Spital gebracht. Der schon in der Vergangenheit als gewalttätig aufgefallene junge Linzer wurde schließlich nach kurzer Flucht festgenommen. Ob er berauscht war, stand laut Niederwimmer noch nicht fest. Generell sinke aber die Hemmschwelle, ist der Polizeisprecher überzeugt. "Es kommt natürlich auf die Kombination der Beteiligten an, aber normalerweise wartet man heute nicht mehr lange sondern schlägt gleich zu", beschreibt er den zeitgenössischen Streit-Stil.

Im Durchschnitt wurden zwischen 2000 und 2005 jedes Jahr knapp 1000 Exekutivbeamte "durch fremde Gewalt verletzt", wie es in den Sicherheitsberichten für den Nationalrat heißt. Statistisch gesehen wurde alle 5 Tage ein Polizist oder (bis zur Zusammenlegung) ein Gendarm medizinisch gesehen schwer verletzt, sieben Beamte starben in den fünf Jahren während ihres Dienstes. Rein rechnerisch ist der Dienst für die Polizisten im Vorjahr aber sicherer geworden: Mit 836 Verletzungen durch "fremde Gewalt" (46 davon schwer) lag man unter dem Schnitt. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 10.10.2006)

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