Über eine wertvolle Versammlung

10. Oktober 2006, 18:26
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Andy Roddick ist der Erlauchte unter den Erlesenen

Wien - Der Bursche ist total cool und kurz nach neun Uhr früh aus dem in Washington gestarteten Flieger gestiegen. In Begleitung seines nicht minder lässigen Bruders. Andy Roddick trug oben eine Sonnenbrille und unten zerfetzte Jeans. An der Schulter baumelte nicht Paris Hilton, sondern eine mit Tennisschlägern gefüllte Sporttasche.

Peter Feigl, Turnierdirektor der BA-CA Trophy, hat sich artig vorgestellt, Roddick sagte "hey" und ersuchte, ins Hotel (Witz: nicht Hilton) chauffiert zu werden. Um später dann alleine in der Wiener Stadthalle trainieren zu dürfen. Normal teilen sich vier Spieler nur einen Platz. Feigl kam diesen Wünschen (Befehlen) nach: "Der Typ ist ein Popstar, total unkompliziert." Roddick wusste, dass in Wien jene Ball-Marke zum Einsatz kommt, die bei den US Open verschossen wird. "Vienna is nice."

Nett ist auch, wenn man alleine für das Erscheinen geschätzte 150.000 Dollar kassiert. Gewinnt Roddick die Trophy, sind ihm weitere 108.600 Euro gewiss. Diese Summe gebührt natürlich jedem anderen Sieger auch.

Leo Huemer, der zweite Turnierdirektor, hält diese Investition für sinnvoll, sie ist ein Teil des Gesamtbudgets von 3,5 Millionen Euro. "Es muss uns das wert sein, denn wir werden am Wert gemessen. Es kommt auf die Zahl der Top-Ten-Spieler an."

Diesmal sind es gleich fünf, Fernando Gonzalez wurde am Montag vom ATP-Computer als Nummer zehn ausgegeben. Vor ihm liegen Titelverteidiger Ivan Ljubicic (3), David Nalbandian (4), Roddick (6) und Marcos Baghdatis (9). Der lässige Ami ist aber doch die Ausnahme, die anderen Erlesenen müssen schuften, um so reich zu werden. Ihre Extrazahlungen sind vom Erfolg im Tennis abhängig. Die Österreicher, etwa Jürgen Melzer oder Stefan Koubek, dürfen bei einem guten Abschneiden ebenfalls mit einem ordentlichen Bonus rechnen.

Im nächsten Jahr muss die Dotation (565.000 Euro) um zehn Prozent erhöht werden, fünf davon investiert die ATP ins Marketing. Huemer schließt nicht aus, "dass wir das Round-Robin-System versuchen". Soll heißen: gespielt wird in acht Dreiergruppen, die jeweils ersten beiden kommen ins Achtelfinale. Noch ist aber 2006, Ljubicic (gegen Calleri), Baghdatis (Ramirez Hidalgo) und Koubek (Gremelmayr) sind heute, Dienstag, dran. Roddick und Melzer haben bis Mittwoch Zeit. (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe 10. September 2006)

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    Andy Roddick beim Training in der Wiener Stadthalle.

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