Deutsche Welle trauert um in Afghanistan ermordete Mitarbeiter

13. Oktober 2006, 12:40
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Motiv der Tag weiter unklar- Fahndung läuft - Angeblich Zehn Festnahmen

Die Mitarbeiter der Deutsche Welle (DW) haben in einer Schweigeminute der beiden in Afghanistan getöteten deutschen Journalisten gedacht. "Beide sind sehr beliebt gewesen und wurden von uns hoch geschätzt", sagte DW-Intendant Erik Bettermann am Montag in der Zentrale des deutschen Auslandssenders in Bonn.

Karen Fischer (30) und Christian Struwe (38) waren in der Nacht zum Samstag erschossen worden, als sie in Nordafghanistan nahe einer Straße in einem Zelt übernachteten. Angeblich soll es zwei Tages nach dem Mord in der Provinz Baghlan zu ersten Festnahmen gekommen sein. Die afghanische Regierung machte dazu jedoch widersprüchliche Angaben.

Motiv weiter unklar

Das Motiv der Tat sei weiter unklar, sagte Bettermann. Fischer und Struwe seien in einem "privaten Rechercheaufenthalt" unterwegs gewesen. Sie hätten zwar Kontakt zur Redaktion gehabt, aber es habe keinen Auftrag des Senders gegeben. "Im Moment schicken wir keine Reporter in Afghanistan 'raus." Die DW setze aber ihre Arbeit in Afghanistan mit dem Training einheimischer Kräfte fort.

Bettermann forderte die afghanischen Behörden, die internationale Schutztruppe ISAF und den Partnersender Radio Television Afghanistan auf, die Hintergründe der Tat aufzuklären. Das Fahrzeug der beiden Journalisten sei von Gewehrsalven durchlöchert gewesen. Die beiden Leichen befinden sich nach Angaben Bettermanns in der deutschen Botschaft in Kabul. Es sei noch unklar, ob sie dort auch obduziert und wann sie freigegeben würden.

Zehn Verdächtige festgenommen

In Nordafghanistan sind zehn Verdächtige festgenommen worden, wie die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" (Dienstag) unter Berufung auf die afghanische Regierung meldete. Der afghanische Handelsminister Amin Farhang sagte dem Blatt: "Es sind zehn Personen festgenommen worden. Es sieht so aus, dass vier von ihnen an der Aktion beteiligt waren. Die anderen sechs werden noch vernommen. Das Motiv der Täter steht noch nicht fest."

Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Semarai Bashari, sagte jedoch am Abend, es sei noch nicht zu Festnahmen gekommen, die Fahndung laufe weiter. Der Gouverneur Baghlans, Sayed Ekram Masumi, sagte, man gehe inzwischen von vier Verdächtigen aus. Zuvor hatte er von bis zu sechs Verdächtigen gesprochen. Die Vereinten Nationen in Afghanistan verurteilten die "abscheuliche" Tat und forderten eine zügige Aufklärung. (APA/dpa)

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