"La Mahoma" explodiert nicht mehr

30. Oktober 2006, 17:26
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Rücksicht auf Religionen kürzt spanische Feste zum historischen Sieg über die Mauren

Die Feste im spanischen Levante sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Viele Gemeinden haben die Hauptattraktion, "La mahoma", gestrichen, um "keine religiösen Gefühle zu verletzen". Der Akt, in dessen Verlauf dem Propheten Mahoma symbolisch der Garaus gemacht wird, gedenkt des Siegs der christlichen Truppen über die Mauren im 15. Jahrhundert, der 800 Jahre muslimischer Herrschaft beendete.

Ein Akt der Selbstzensur, der nach dem Karikaturenstreit und den Protesten gegen den Papst in Spanien die gleiche Debatte auslöst, wie sie Deutschland seit der Absetzung der Mozart-Oper in Berlin kennt: Wo hört der Respekt vor dem anderen auf und wo fängt die Unterwerfung an?

"Moros y Cristianos" (Mauren und Christen) heißen die Feste, bei denen sich Bewohner ganzer Dörfer als muslimische Soldaten oder christliche Ritter verkleiden. In rund 400 Dörfern an der Ostküste Spaniens wird mit großen Kostümparaden und Massentänzen auf den Plätzen zu traditioneller Musik die Schlacht um das jeweilige Dorf symbolisch nachgespielt.

Explodierender Kopf

Zum Höhepunkt wurde bisher je nach Ort eine Puppe, "La mahoma", vom Turm geworfen oder angezündet. Bei einer anderen Version explodierte ein überdimensionaler Kopf mit einem bunten Feuerwerk. Alles applaudierte, jubelte und tanzte - bis zum vorigen Jahr. "Dieser Akt ist nicht grundlegend wichtig für die Feste, und da durch ihn einige Menschen in ihren Gefühlen verletzt werden können, haben wir darauf verzichtet", erklärt der Bürgermeister von Beneixama, Antonio Valdés. Seit Februar folgen immer mehr Dorfgemeinschaften diesem Beispiel. "Respekt vor der anderen Religion" lautet die Begründung. Doch die Presse berichtet, dass in vielen Gemeinden Angst eine Rolle spielte. Der Karikaturenstreit sei der Auslöser gewesen. ",La mahoma' ist nicht der Prophet, sondern nur ein Symbol", sagt dagegen der Vorsitzende der Nationalen Union der Festveranstalter, der gegen die Selbstzensur ist.

Auch unter den Muslimen Spaniens gehen die Meinungen auseinander. Majed Khadem, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde in Alicante, verteidigt die Feste. "Sie verletzten niemanden, sie sind alte Traditionen", meint der gebürtige Syrer.

"Undemokratisch"

Felix Herrero, konvertierter Spanier und Iman in der Moschee im südspanischen Málaga, sieht das hingegen anders. Für ihn haben "diese Feste keinen Platz in einem demokratischen Spanien". Es sei, als feiere man den Sieg Francos über die Republik. Gleichzeitig muss er allerdings eingestehen, dass selbst einige seiner muslimischen Freunde an diesen Festen teilnehmen.

Für Oumama Aouad, Professorin für Hispanistik an der Universität Mohamed V in der marokkanischen Hauptstadt Rabat, "treibt die Angst die Europäer dazu, so zu handeln". So mancher Kommentator gibt ihr gewissermaßen Recht, indem er in diesen Tagen daran erinnert, dass Bin Laden seit der Gründungserklärung von Al-Kaida Spanien - oder Al Andalus, wie das muslimische Spanien hieß - immer wieder als verlorenes Stück der arabischen Welt bezeichnet. (Reiner Wandler aus Madrid/DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2006)

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