Rettende Konfusion

24. Oktober 2006, 14:40
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Wolf Haas, Josef Hader und Wolfgang Murnberger im Gespräch mit Claus Philipp

Nicht unwesentlich zum Erfolg dieses Films dürfte folgende Tatsache beigetragen haben: Mit Murnberger/Haas/Hader ist ein Genrefilm abseits aller gängigen Klischees von Schmäh oder Sentimentalität geglückt.

 

Eine Thrillerkomödie, der man fast schon wieder Unrecht tut, wenn man sie zum Beispiel mit den frühen, lakonischen Kottan-Filmen vergleicht, weil Haas, so Murnberger, „immer wieder darauf bestanden hat, dass es nicht so wird wie bei Kottan“. Aber gut, fügt Hader hinzu: „Der Peter Vogel als Vorbild ist ja nicht unbedingt schlecht.“

Er habe von vornherein „Schadensbegrenzung“ betrieben, erklärt Haas, der sich etwa zwei Jahre vor Drehbeginn in einem Interview mit dem Standard Murnberger als Regisseur einer Adaption seiner Brenner-Romane gewünscht hatte: „Das Comichafte der Bücher sollte nicht noch mehr überhöht werden.“ Murnberger gesteht heute, dass er nach der ersten Lektüre durchaus Schwierigkeiten für eine filmische Umsetzung sah: „Die Qualität der Bücher liegt vor allem in einer Sprache, die sich in all ihrer Sorgfalt immer ein wenig schlampig gibt.“ Haas: „Aber meine Bücher beruhen eben auf Verdrehtheiten, auf Konzeptlosigkeit, einem Einfach-drauflos-Rennen. Verdrehte Wege führen oft zu den interessanteren Aussichtsplätzen.“

Im Fall von Komm, süßer Tod entführen sie (auch) in miefige Aufenthaltsräume von Rettungsfahrern, ein Wien, in dem sich geradezu grausam eine Baustelle an die andere reiht und Mordwaffen zuckersüß sein können. Dazu: seltsame Assoziationen zur Musik von Bach und das eher komplizierte Privatleben des Expolizisten Brenner, der nach einem Verhältnis mit der Frau eines Vorgesetzten nur missmutig den Samariter abgibt. Soll sich da einer auskennen?

Nicht unbedingt. Murnberger: „Wir hatten nur zwei Möglichkeiten: Entweder – Handlung, Spannung, Action. Oder: Man breitet sich, wie Haas’ Sprache, lustvoll aus, und die Handlung leidet immer ein wenig darunter. Man erfährt jetzt zum Teil nicht einmal mehr vollständig, wer da wen umgebracht hat. Insgesamt haben wir mehr auf Milieu, Dialogwitz und auf Szenen gesetzt, die sonst eigentlich rausfallen.“ Josef Hader? Befriedigt sieht er „jetzt überhaupt keinen Josef Hader mehr in dem Film. Nur den Brenner. Aber ich sehe, dass ich ihn mit meinen Mitteln gestaltet habe. Einen langsamen Helden in einem schnellen Film.“

Wobei Murnberger nach einer Drehzeit von nur sieben Wochen gerade auf das Tempo stolz ist: „Jede Einstellung muss bei so einer Geschwindigkeit präzise sein – nur so erreicht man, was uns vorschwebte: im Einzelnen alles klar stellen, auch wenn allgemein Konfusion herrscht. Konfusion in Kauf nehmen, um nicht an Detailtreue zu verlieren.“

Hader dazu: „Man muss ja nicht genauer sein als unbedingt notwendig. Das ist oft ein Problem im österreichischen Film. Viele sind ganz unbedingt genau, damit ihnen nachher niemand etwas nachweisen kann: die Filmakademie nicht, die Kritiker nicht, die Förderer nicht. Also traut man sich auch nicht, einfach etwas zu behaupten, obwohl doch gerade Film ein Medium ist, in dem man so großartig Dinge behaupten kann. Außerdem bin ich ein großer Verfechter der Unterinformation.

Alles, was man nicht weiß, irritiert, und in dem Moment beginnt der Zuschauer sich im Kino wie im Kabarett vorzubeugen: Was wird da jetzt? Wenn man hingegen alles weiß, lehnt man sich zurück – und schläft ein.“ Haas: „Es ist ja in der Literatur durchaus ähnlich: Wenn man zum Beispiel ein Gesicht zu genau beschreibt, kann der Leser es sich schlechter vorstellen.“

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