Laut Staatsanwalt 12.000 mutmaßliche Kriegsverbrecher

12. Oktober 2006, 12:45
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Justiz kämpft mit Personalproblemen

Belgrad/Sarajevo - In Bosnien-Herzegowina gibt es elf Jahre nach dem Kriegsende weiterhin mehr als 12.000 Personen, die verdächtigt werden, Kriegsverbrechen begangen zu haben und sich auf freiem Fuß befinden. Dabei sind es mehr als 8.000 im größeren Landesteil, der bosniakisch-kroatischen Föderation. Die in Sarajevo erscheinende Tageszeitung "Oslobodjenje" berichtete dies am Montag unter Berufung auf den bosnischen Staatsanwalt Marinko Jurcevic.

Jurcevic warf dem Blatt zufolge den Behörden vor, nicht genügend getan zu haben, um Prozesse gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher zu ermöglichen. Die Justiz ist Jurcevic zufolge weder personalmäßig noch technisch oder finanziell dazu befähigt worden.

Für die Kriegsverbrechen sind landesweit 62 Staatsanwälte zuständig, eine Mehrheit von ihnen muss sich allerdings auch mit anderen Straftaten befassen.

Im Vorjahr wurden in Bosnien rund 1.200 Kriegsverbrecherverhandlungen gegen 7.720 Personen eingeleitet. Bis Jahresende waren Prozesse gegen mehr als 5.400 Personen weiterhin nicht abgeschlossen. (APA)

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