Spanien feiert schon den Titel

18. Oktober 2006, 10:49
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Alonso steht quasi als neuer Champion fest - Schumacher gönnt sich trotz Enttäuschung kei­ne Ruhe, Rätseln über Motorschaden

Suzuka/Wien - Trotz der Riesenenttäuschung um die praktisch verlorene Formel-1-WM nach dem ersten Motorschaden seit sechs Jahren oder 111 Rennen gönnt sich Michael Schumacher keine Ruhe. Während Spanien den vor dem Finale zehn Punkte in Front liegenden Fernando Alonso bereits als neuen Weltmeister bejubelt, wird der deutsche Rekordweltmeister seinen Ferrari schon am Mittwoch wieder testen. Der 37-Jährige will sich am 22. Oktober in Sao Paulo zumindest als Mannschafts-Weltmeister aus der Formel 1 verabschieden, Ferrari hat 9 Punkte Rückstand auf Renault.

"Ich finde, wir haben diesen Titel verdient, denn wir sind das beste Team. Jetzt wollen wir auch den nächsten Schritt machen und nominell Meister werden", verkündete Schumacher auf seiner Website. Der Deutsche hatte nach dem Ausfall am Sonntag auf die beliebten Karaoke-Einlagen in den Hütten an der Rennstrecke in Suzuka verzichtet. Er war kurz nach dem vorletzten GP seiner Karriere zurück zu Frau und Kindern geflogen.

Alonso wird schon gefeiert

Unterdessen wird Renault-Pilot Fernando Alonso in seiner spanischen Heimat nach dem "Harakiri von Ferrari" ("El Mundo") schon als alter und neuer Weltmeister gefeiert. Für die Zeitung "As" wäre der zweite WM-Triumph für Alonso von noch größerer Bedeutung als im Vorjahr. "Alonso steht einen Punkt vor dem Gewinn einer WM, die noch wertvoller sein wird als die vorige. Diesmal hatte er es mit einem Superchampion wie Michael Schumacher zu tun, der ihm den Titel bis zum letzten Moment streitig machte."

Schumacher erklärte unmittelbar nach dem Rennen gefasst die Hatz auf Alonso für beendet. Auch die Italiener sehen so gut wie keine Chance mehr auf einen krönenden Karriere-Abschluss. "Nach sechs Jahren wurde Schumacher wieder einmal von seinem Motor verraten. Es war einfach Pech. Schumacher hat es nicht verdient, seine außergewöhnliche Karriere auf so grausame Art zu beenden", schrieb die "La Gazzetta dello Sport". Am 2. Juli 2000 in Magny Cours war der Motor an Schumachers Wagen zuletzt in einem Rennen kaputt gegangen.

Respekt vor Schumacher

Dennoch nahm Schumacher das Pech gefasst hin. Die Gelassenheit ist offenbar ein Teil eines weiteren Reifeprozesses des Champions, der das Verlieren gelernt zu haben scheint. Das war nicht immer so: 1997 waren ihm wegen eines Crashs im WM-Finale gegen den Kanadier Jacques Villeneuve sogar alle Punkte der Saison abgezogen worden. Die Zeitungen registrierten Schumachers Reifeprozess wohlwollend: Der "neue Schumacher" kommt an. "Er ist bereit für das wirkliche Leben abseits der Pisten", schrieb etwa die "Gazzetta".

Bei Ferrari gab es über die Ursache des fatalen Motorschadens zunächst nur Rätselraten. "Alle Telemetrie-Daten waren o.k.", sagte Technik-Chef Ross Brawn und auch der stellvertretende Motorchef Mattio Binotto hatte keine Erklärung. "Es gab keinerlei Hinweise. Irgendetwas muss passiert sein, aber wir haben nicht das Geringste entdecken können." Die Ursache für den Motorplatzer wird Ferrari erst nach der Rückkehr des Aggregats in Italien feststellen können.

"Rechnerisch haben wir noch eine Chance"

Obwohl Alonso im letzten Rennen bereits ein achter Platz zum Gewinn der Weltmeisterschaft reichen würde, gibt zumindest Ferrari-Direktor Jean Todt noch nicht auf: "Rechnerisch haben wir noch eine Chance, auch wenn es natürlich sehr schwer wird", sagte der Franzose und zeigte sich beeindruckt von Schumacher. "Eigentlich hätten wir ihn trösten müssen, aber er hat uns getröstet."

In Spanien herrscht hingegen bereits Euphorie. So witzelte ein Kolumnist, dass Alonso den Titel nun in Brasilien auch auf einem Renault Megane holen könnte. Am besten wäre überhaupt, Alonso würde aus Protest gegen die Schikanen des Weltverbandes FIA die letzte Runde im Rückwärtsgang fahren, heißt es dort.

Ernster nimmt man das Thema bei Renault. "Ich habe in diesem Geschäft schon alles erlebt. Und es ist nicht vorbei, bevor es nicht vorbei ist", warnte Renault-Technikdirektor Pat Symonds. "Natürlich wird es für Michael schwierig. Aber ich hoffe, er gibt nicht auf. Ich will, dass er gegen uns kämpft."(APA/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Renault-Team im Freudenrausch.

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