Tierfilmer-Legende Heinz Sielmann gestorben

17. Oktober 2006, 14:25
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Seine Sendung "Expeditionen ins Tierreich" sahen Generationen von Fernsehzuschauern - "Naturschutz als positive Lebensphilosophie" war sein Prinzip

Berlin/München - Ob Arktiswolf oder Sumpfschildkröte - gern zeigte sich Heinz Sielmann mit den Tieren, über deren Leben er viele Jahrzehnte lang berichtete. Mit seiner markanten Stimme und dem warmherzigen Lächeln legte er Millionen Fernsehzuschauern zugleich eindringlich den Erhalt der Natur ans Herz. Am vergangenen Freitag ist der Tierfilmer und Naturschützer im Alter von 89 Jahren gestorben. Ruhig und in Würde sei er im Kreise seiner Familie und Freunde in München entschlafen, teilten der Stiftungsrat und der Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung am Sonntag in Berlin mit.

Am Sitz der Stiftung in Duderstadt (Niedersachsen) soll am kommenden Samstag die Trauerfeier stattfinden. Dort will der frühere deutsche Umweltminister und Ex-Direktor des UNO-Umweltprogramms UNEP, Klaus Töpfer, den Verstorbenen würdigen.

TV-Legende

Bekannt wurde Sielmann mit der von ihm moderierten und konzipierten Fernsehreihe "Expeditionen ins Tierreich", die gut drei Jahrzehnte lang bis 1991 in der ARD lief. Auch im Privatfernsehen setzte er sich für den Schutz der Tiere und Umwelt ein, war mit Naturfilmen bei RTL und Sat.1 präsent.

Unermüdlich reiste der 1917 in Rheydt im Rheinland geborene Verhaltensforscher und Publizist durch die Lande, um das Leben der Tiere festzuhalten. Schon kurz nach dem Krieg hatte er sich dem Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht angeschlossen. Seine ersten Fernsehbeiträge platzierte er bei dem britischen Sender BBC. Sielmann drehte zudem Kinofilme wie "Lied der Wildbahn", "Herrscher des Urwalds", "Galapagos" und "Lockende Wildnis". Seine Arbeit wurde mit zahlreichen Preisen gekrönt - darunter waren der Deutsche Filmpreis, die Goldene Kamera und der Goldene und derSilberne Bär der Berliner Filmfestspiele.

Engagement für den Naturschutz

1994 gründete Sielmann zusammen mit seiner Frau Inge (76) die Heinz Sielmann Stiftung unter dem Leitsatz "Naturschutz als positive Lebensphilosophie". Seither verfolgt die Stiftung unter anderem das Ziel, Menschen, speziell Kinder und Jugendliche, durch persönliches Erleben an einen positiven Umgang mit der Natur heranzuführen. Das Paar hatte 1978 seinen einzigen Sohn Stephan verloren, der in Nairobi an den Folgen eines Unfalls starb. Die Stiftung will vor allem junge Leute besser mit der Natur vertraut machen. "Man kann etwas nur dann schützen, wenn man es kennt", hatte Sielmann dazu einmal gesagt. "In unserer Jugend liegt das größte Kapital der Naturschützer." Viele Tausend Schüler haben mittlerweile das Erlebniszentrum auf Gut Herbigshagen besucht.

Die Heinz Sielmann Stiftung verleiht zudem Preise für engagierten Umweltschutz und erwirbt große und unzerstörte Gebiete in Deutschland. "Das beste für den Naturschutz ist es, die Flächen einfach zu kaufen", sagte Sielmann einmal. So sicherte sich die Stiftung zum Beispiel mit den "Naturlandschaften Wanninchen" in Brandenburg rund 3.000 Hektar einer Bergbaufolgelandschaft und gestaltete dort ein Naturzentrum.

Positive Bilanz

Seine Liebe zur Natur hatte der Sohn eines leidenschaftlichen Anglers und Jägers schon als Kind entwickelt und ging früh mit der Kamera auf die Jagd. Mit 21 startete er seine Karriere, als er 1938 seinen ersten Film "Vögel über Haff und Wiesen" zeigte. Etliche Filme später blickte der Forscher anlässlich seines 85. Geburtstages zufrieden zurück: "Es war mir vergönnt, mein Leben in der Natur zu verbringen." (APA/dpa)

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